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2001
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt,
Nr. 185, 13.08.2001
Internet-Anfragen bis aus USA
Ammergau-Bände des Historischen
Vereins schon fast ausverkauft
Oberammergau (pol) Gut angekommen
sind die beiden ersten Bände der Schriftenreihe „Der Ammergau“
des Historischen Vereins Oberammergau bei geschichtlich
interessierten Bürgern und Gästen: Das berichtete Vereinsvorsitzender
Ludwig Utschneider in der Jahreshauptversammlung. Sowohl vom
ersten Band über „Oberammergau im Dritten Reich“ als auch vom
zweiten Band, dem Reisetagebuch zur Passion 1890, „Einmal Oberammergau
und zurück“ sind nur noch jeweils 60 Exemplare nicht verkauft.
Dieser Verkaufserfolg und die auf
70 angestiegene Mitgliederzahl (man hofft auf noch mehr) haben
auch zu einem „sehr erfreulichen Kassenbestand“ geführt, wie
ihn der Kassenbericht von Dieter Rödel spiegelte. Die Mitgliedsbeiträge
werden zum Jahreswechsel im Verhältnis 2:1 auf Euro umgestellt.
Ab 1. Januar 2002 werden dann statt 20 Mark zehn Euro und statt
35 Mark 17,50 Euro abgebucht.
Das nächste Buchprojekt des Vereins,
ein historischer und kulturgeschichtlicher Ortsführer durch
Oberammergau, bereitet dem Vorstand noch finanzielle Sorgen.
Denn die voraussichtlichen Kosten kann die Vereinskasse nicht
alleine tragen. Man hofft, dass sich die Gemeinde beziehungsweise
ihr Eigenbetrieb „Oberammergau Tourismus“ daran beteiligt. Aus
dem Verein haben sich bereits mehre Mitglieder zur Mitarbeit
bereit erklärt und Arbeiten für den Ortsführer übernommen.
Als erste Exkursion dieses Jahres
hob Utschneider die Besichtigung der Klosterkirche St. Johann
Baptist in Steingaden hervor. Dabei habe Professor Hans Pörnbacher
durch diesen nach der Wies zweiten bedeutenden romanischen Bau
des Pfaffenwinkel geführt. Das Mittelschiff des Gotteshauses,
das Mitte des 18. Jahrhunderts dem Zeitgeist angepasst wurde,
gehöre „zu den schönsten kirchlichen Rokoko-Räumen Süddeutschlands“
(Pörnbacher). Die nächste Exkursion führt am 13. Oktober über
den historischen Lehrpfad an der Alten Etta1er Bergstraße Oberau
- Ettal.
Erfreuliches Interesse findet die Homepage
des Vereins (www.historischer-verein.de). Utschneider berichtete
von Anfragen aus den USA, vom Goethe-Institut in Kopenhagen,
von der Universität Heidelberg und aus der Schweiz. Auf der
Homepage seien zur Zeit ein dreiseitiger Abriss der Dorfgeschichte
und eine 36-seitige Bibliografie zur Oberammergauer Dorfgeschichte
abrufbar In Vorbereitung seien unter dem Stichwort „Quellen
zur Geschichte“ Gendarmerieberichte aus den Jahren 1934 bis
1945.
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt,
Nr. 119, 25.05.2001
Wie
ein Bauer der Rhön 1890 die Passionsspiele erlebte
Historischer Verein veröffentlicht
Reisetagebuch – Auf Speicher entdeckt
Oberammergau (pol) - Die
vier jungen Männer, die am 3. Juli 1890 aus dem 1000-Seelen-Dorf
Stockheim am südöstlichen Rande der Rhön aufbrachen, um die
Oberammergauer Passionsspiele zu besuchen, waren einfache Leute.
Der Bauer Matthäus Storath; sein Bruder Siegfried und ihre Freunde
Wilhelm Albert und Hilarius Krieg waren alle so um die 40 Jahre
alt. Auf ihrer Reise ließen sie sich von dem 1890 in München
erschienen „Offiziellen Führer zum Oberammergauer Passionsspiel“
von Anton Lang leiten.
Ein halbes Jahr nach der Heimkehr
schrieb Matthäus Storath im eiskalten Winter in seiner Stube
den Reisebericht nieder. Eine Nachbarin entdeckte die Aufzeichnungen
kürzlich bei der Entrümpelung des Speichers, und die Würzburger
Historikerin Dr. Heidrun Alzheimer hat das Reisetagebuch unter
dem Titel „Einmal Oberammergau und zurück“ jetzt herausgegeben,
eingeleitet und kommentiert.
Als Band zwei der Schriftenreihe
„Der Ammergau“ des Historischen Verein
Oberammergau wurde es nun im Pilatushaus
von der vom Vereinsvorsitzenden Ludwig Utschneider begrüßten
Herausgeberin vorgestellt.
110 Jahre nach der 1890er Passion
kann man sich kaum noch vorstellen, wie beschwerlich es damals
für einfache Leute war, eine so weite Reise zu unternehmen.
Für die vier Rhöner begann sie mit einem Fußmarsch zum nächsten
Bahnhof und endete wieder mit einem Fußmarsch von Oberau nach
Oberammergau, wo sie nicht nur
das Passionsspiel besuchten, sondern auch Ausflüge zu den Königsschlössern
unternahmen - bis Linderhof. Und wieder zu Fuß.
Der Reiz der Reisebeschreibung liege, so Dr. Heidrun Alzheimer,
in der Schilderung der Passionsspiele und der Atmosphäre im
Ort, in den Gästehäusern, den Andenkenläden, beim Kartenverkauf
sowie in der detailverliebten Beschreibung der Ausstattung der
Königsschlösser im Zustand vier Jahre nach dem Tod von Ludwig
II. Storaths Aufzeichnungen gewähren dem heutigen Leser Einsichten
in die Gedankenwelt eines einfachen Bauern am Ausgang des 19.
Jahrhunderts, in seine
religiöse Überzeugung und politische Gesinnung.
Die Herausgeberin schilderte auch,
wie schwierig es war, die 206 Seiten eng in schräger Sütterlinschrift
aufgezeichneten Erlebnisse zu entziffern und in heutige Schreibweise
umzusetzen. Aus Sparsamkeit hatte der Bauer nämlich in dem 17x21
Zentimeter großen, unlinierten Notizbuch kaum Ränder stehen
lassen und fast nie einen Absatz eingefügt. Das mit 50 Bildern
und Faksimiles aus dem Jahr 1890 illustrierte Buch ist zum Preis
von 25 Mark im Buchhandel erhältlich.
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt,
Nr. 114, 18.05.2001
Reisetagebucheines
Bauern
Oberammergau (hut)- Das Buch
„Einmal Oberammergau und zurück Reisetagebuch des Bauern Matthäus
Storath aus Stockheim/ Rhön“ stellt der Historische Verein Oberammergau
am heutigen Freitag, 18 Mai ab 20 Uhr im Pilatushaus der Öffentlichkeit
vor. Zur Präsentation sind Interessierte und alle Mitglieder
des Vereins (bekommen ein kostenloses Exemplar) eingeladen.
Herausgeberin dieser Schriftreihe in Zusammenarbeit mit dem
Historischen Verein ist die Würzburger Volkskundlerin Dr. Heidrun
Alzheimer, die diesen außergewöhnlichen Reisebericht eines Bauern
bearbeitet und kommentiert hat. Das Buch ist irm übrigen nur
in einer geringen Auflage verfügbar.
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt,
Nr. 111, 15.05.2001
Bauer besucht die Passion
Oberammergau (ab) - Der Text
wurde vor etwa einem Jahr auf dem Speicher eines Bauernhofes
in der Nähe von Schweinfurt gefunden. Es handelte sich um einen
Reisebericht eines Bauern zur Passion 1890 in Oberammergau.
Inzwischen ist aus diesen Aufzeichnungen ein Buch entstanden,
das der Historische Verein Oberammergau am kommenden Freitag,
18 Mai, um 20 Uhr im Pilatushaus vorstellt. Der Titel der Veröffentlichung
lautet: „Einmal Oberammergau und zurück. Reisetagebuch des Bauern
Matthäus Storath aus Stockheim / Rhön.“
Der Reisebericht zur 1890’er Passion
wurde herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein
von der Würzburger Volkskundlerin Dr. Heidrun Alzheimer, die
den handschriftlichen Originaltext ediert, eingeleitet und kommentiert
hat. Als sich die Finder des Textes an sie gewandt hatten, erkannte
die Wissenschaftlerin schnell, dass sich dieser Reisebericht
durch eine sehr interessante Beobachtungsgabe auszeichnet. Neben
der Darstellung der Passion wird genau beschrieben, wie man
1890 reiste. Zeitdauer, Geschwindigkeiten der Verkehrsmittel
und Kommentierung des aus Reiseführern Bekanntem machen den
Reiz dieses Textes aus.
Der Textedition von cirka 170 Seiten
hinzugefügt wurden Bilder aus der Zeit um 1890, die das von
M Storath Gesehene untermalen.
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt,
Nr. 74, 29.03.2001
Exkursion, Führer und Römer-Funde
Jahresplanung des Historischen Vereins
Oberammergau (pol) – Gut
ein Jahr nach der Präsentation des 1. Bandes der Schriftenreihe
des Historischen Vereins Oberammergau (Ludwig Utschneider, „Oberammergau
im Dritten Reich“) wird der erst 1999 gegründete Verein im Mai
einen zweiten Band auflegen. Es handelt sich dabei um einen
zufällig aufgefundenen Reisebericht eines Rhön-Bauern aus Stockheim,
der 1890 die Passionsspiele besuchte. Sein Titel: „Einmal Oberammergau
und zurück“. Die Vorstellung des Buches ist für den 15. Mai
geplant.
Die Planung des Historischen Vereins
für dieses Jahr sieht außerdem eine Führung durch das Kloster
Steingaden, eine Wanderung über den historischen Lehrpfad von
Oberau nach Ettal über die Alte Ettaler Straße mit Professor
Heinz Schelle vor sowie eine Exkursion zur Staffelsee-Insel
Wörth, eine Fahrt ins Hauptstaatsarchiv München sowie einen
Vortrag von Dr. Zanier vom Institut für Vor- und Frühgeschichte
über die bisherigen Ergebnisse der Forschungen zu den Römerfunden
am Döttenbichl.
In Angriff genommen hat der Verein
bereits die Erarbeitung eines historischen Ortsführers – ein
größeres Projekt, dessen Ergebnis wohl nicht so bald vorgelegt
werden kann, weil es noch zeitaufwendiger Recherchen bedarf.
Außer einem einleitenden Abriss der Ortsgeschichte, so die Idee,
will man den historisch interessierten Gästen und Urlaubern
in Oberammergau einen Rundgang durch das Dorf empfehlen, bei
dem auf Besonderheiten wie Schnitzen und Lüftlmalerei hingewiesen
und deren Entstehung erklärt wird.
Historische Gebäude, möglichst in
alten und aktuellen Fotos vorgestellt, sollen die einzelnen
Stationen des Rundganges bilden und im Text in ihrer historischen
und heutigen Bedeutung beschrieben werden. Vereinsvorsitzender
Ludwig Utschneider legte dazu auch eine Liste mit Objekten vor,
die im Ortsführer beschrieben werden sollten; mehrere Vereinsmitglieder
wählten daraus bereits Häuser, Straßen und Plätze aus, die sie
bearbeiten wollen.
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Kreisbote, Nr. 5, 31.01.2001, 37.
Jahrgang
Historischer Ortsführer
Oberammergau (jz) – Der Historische Verein
Oberammergau hat ein neues Objekt im Visier. Geplant ist die
Herausgabe eines historischen Ortsführers. Bisher gibt es nur
ein Faltblatt mit Beschreibung von Schnitzschule, Pilatushaus,
Heimatmuseum, Kreuzigungsgruppe, Passionstheater, Pfarrkirche
und Lüftlmalerei, veröffentlicht vor mehr als 10 Jahren durch
Verkehrsbüro und Gemeinde Oberammergau.
Angesprochen wurden beim letzten
Stammtisch des Historischen Vereins die derzeit auf dem Markt
erhältlichen Führer, die sich mit Oberammergau sowie den Sehenswürdigkeiten
in der näheren Umgebung beschäftigen. Auch der „Goldner-Führer“
wurde erwähnt, der zur Passion 1980 auf den Markt kam. Seinerzeit
ein gutes Werk, das aber nicht mehr im Handel ist. Wer ihn in
seiner Handbibliothek stehen hat, greift immer noch darauf zurück.
Mit einem aktuellen historischen
Ortsführer will man die Lücke nun schließen. Alle historisch
bedeutsamen Gebäude sollen aufgeführt werden, allerdings möchte
man kein Bilderbuch herausbringen, knapp gehaltene Texte müssen
dem Interessierten die nötige Information liefern.
Eine erste Bestandsaufnahme machte
schon deutlich, dass es an Themen nicht mangeln wird, zumal
auch die erst in den letzten Jahrzehnten entstandenen Gebäude
wie Wellenber oder Ammergauer Haus Erwähnung finden müssen.
Ebenso Denkmäler, sowie die alten und neuen Brunnen in und um
den Ort.
Arbeit genug für die Mitglieder
des Historischen Vereins. Entscheidend ist die Finanzierung
des im DIN A 5 Format geplanten Führers. Jetzt müssen erst einmal
Kostenangebote eingeholt werden, eventuell soll ein Teil über
Anzeigen finanziert werden.
Eine wichtige Rolle spielt sicher auch der
Endverkaufspreis. Ist er zu hoch, wird nicht so leicht zugegriffen,
wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten.
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Süddeutsche Zeitung, Nr. 209, 11.9.2000
Wie die Nazis mit der Passion für ihr neues
Deutschland warben
Magisterarbeit geht den nationalsozialistischen Spuren in Oberammergau
nach
Von Angelika Hoch
OBERAMMERGAU - Im völlig neu gestalteten Text der Oberammergauer
Passion 2000 gibt es keinerlei antijüdische Passagen mehr.
Das war nicht immer so. Vor 70 Jahren lobte Joseph Goebbels das
Spiel als ein Stück "wahren Volkstums", das Gedanken
der antijüdischen Ideologie des Nationalsozialismus enthalte.
Goebbels und Adolf Hitler gehörten 1930 zu den Passionsbesuchern.
Auch bei der außerhalb des Zehnjahres-Rhythmus anlässlich
des 300-jährigen Jubiläums gespielten Passion im Jahr
1934 kam Hitler nach Oberammergau. Das Spiel hatte in den Augen
der NS-Machthaber große propagandistische Bedeutung, sollte
es doch dem Ausland demonstrieren, welch ein friedliebender Staat
das neue nationalsozialistische Deutschland sei.
Welche Rolle die Passion für die Nationalsozialisten spielte,
gehört zu den Themen der Magisterarbeit "Oberammergau
im Dritten Reich 1933-45" von Ludwig Utschneider. Das Werk
ist jetzt als Band 1 der Schriftenreihe des 1999 gegründeten
Historischen Vereins Oberammergau erschienen. Die wissenschaftliche
Untersuchung zeigt am Beispiel des Passionsspieldorfes, wie der
totalitäre Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten auf
kommunaler Ebene Gestalt annahm und sich durchsetzte. Die Oberammergauer
NSDAP-Ortsgruppe wurde am 23. August 1929 von sieben Oberammergauern
gegründet, die alle erst kurz vorher in den Ort gezogen waren.
Erst 1930 traten verstärkt auch Einheimische der Ortsgruppe
bei. Am 6. April 1930 kam es während einer Ortsgruppenveranstaltung
zu Handgreiflichkeiten. Daraufhin verbot der Gemeinderat für
die Zeit des Passionsspiels 1930 sämtliche Parteiveranstaltungen.
Ab 1931 konnte dann die örtliche NSDAP einen kontinuierlichen
Mitgliederzuwachs verzeichnen.
Problematisch speziell für die Oberammergauer Nationalsozialisten
blieb nach Recherchen des Autors neben heftig geführten internen
Auseinandersetzungen die besonders starke Verwurzelung vieler
Dorfbewohner in ihrem Glauben. Der NSDAP sei es in den zwölf
Jahren ihrer Herrschaft nicht gelungen, "den bodenständigen
Glauben der Bevölkerung zu brechen und ihn zu ihren Gunsten
umzuformen", schreibt Utschneider. Gelungen ist es den Nazis
dagegen Ende der dreißiger Jahre, "das Passionsspiel
als antisemitisches Theater" zu vereinnahmen. Gegen dieses
Ansinnen habe es keine Gegenwehr gegeben, so dass die Gemeinde
Oberammergau die rassistische Politik des Dritten Reiches mit
getragen habe. Die Untersuchung Utschneiders basiert auf umfangreichen
historischen Quellen, unter anderem aus den Archiven der Gemeinde
und des Pfarramtes Oberammergaus. Der Autor berichtet, dass es
nicht immer einfach gewesen sei, Zugang zu Quellenmaterial zu
bekommen. Teils sei die Einsichtnahme sogar verhindert worden.
Mehrfach habe man ihm nahe gelegt, eine solche Arbeit "nicht
zu schreiben und den Mantel des Schweigens darüber zu breiten."
Kontakt: Historischer Verein Oberammergau, Telephon 08822/4950
und www.historischer-verein.de |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 191, 21.8.2000
Passion Glaubensspiel oder Propaganda-Instrument?
Wie sich der Nationalsozialismus in Oberammergau entwickelte
Oberammergau - Wer sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus
in überschaubaren Orten wie Oberammergau befasst, muss damit
rechnen, dass sein Vorhaben nicht auf allgemeine Zustimmung stößt
und er als "Nestbeschmutzer" diffamiert wird. Sehr schnell
wird man von Stammtischen - aber nicht nur von diesen - zu hören
bekommen, dass man über die "alten Geschichten"
endlich Gras wachsen lassen solle. Auch Ludwig Utschneider, der
junge Vorsitzende des erst 1999 gegründeten Historischen
Vereins Oberammergau, hat - wie er berichtet - diesen Ratschlag
bekommen. Er hat ihn nicht beherzigt, sondern eine umfangreiche
Magisterarbeit vorgelegt. Wenngleich sich auch andere Autoren
wie Peter Schwarz, Josef Brandner, Alois Schwarzmüller und
Richard Heigl mit Teilaspekten des Nationalsozialismus in unserer
Gegend befasst haben, so ist die Arbeit von Utschneider doch die
erste vollständige Darstellung der Entwicklung des Nationalsozialismus
in einem Ort des Landkreises Garmisch-Partenkirchen.
Auf umfangreichem Quellenstudium aufbauend arbeitet der Autor
heraus, wie sich die NSDAP in einem Ort, der stark von Katholizismus
und Konservativismus geformt war, entwickeln konnte. Die Bedeutung
der wirtschaftlichen Not dabei wird deutlich hervorgehoben. Der
Historiker geht mit großem Takt vor und nennt, wie seine
Vorgänger auch, nur die Akteure namentlich, die das Geschehen
entscheidend beeinflusst haben. Es ist faszinierend zu lesen,
wie die Formationen der Partei (wie SA und SS) den Alltag prägten.
Utschneider gelingt es zu zeigen, dass die Ortsgruppe der NSDAP
relativ wenig Einfluss hatte, die eigentliche Macht bei Bürgermeister
Raimund Lang lag, "der als Alleinherrscher die Geschicke
des Ortes lenkte." Der Autor zeichnet ein differenziertes
Bild dieser starken Persönlichkeit und übersieht dabei
keineswegs die Verdienste, die Lang sich für das Dorf erworben
hat.
Eine große Bereicherung für die Wirtschaftsgeschichte
unseres Landkreises sind die umfangreichen Ausführungen zu
den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Oberammergau und
zur kommunalen Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Zeit der
Diktatur. Ein Ergebnis ist, dass sich die wirtschaftliche Situation
des Dorfes von 1933 bis 1939 erheblich verbessert hat.
Ein aus heutiger Sicht besonders wichtiges Kapitel ist die Darstellung
der Bedeutung des Passionsspiels ("Propagandainstrument oder
Glaubensspiel?") und des Einflusses, den Staat und Partei
auf seine Gestaltung genommen haben. Weitere Kapitel werden dem
Widerstand und der Verfolgung von politischen Gegnern gewidmet.
Widerstand wurde - so das Resultat - nur von wenigen geleistet.
Zu den wichtigsten Kämpfern gegen die "Braunen"
gehörten drei katholische Geistliche. Schließlich wird
die Situation Oberammergaus im Krieg behandelt. Die Frage, wie
eng die Bindung der Bevölkerung an den Nationalsozialismus
wirklich war, beantwortet Utschneider mit Recht sehr zurückhaltend.
Sein Urteil: Die demokratische Gesinnung in der Zeit der Weimarer
Republik war nicht sehr stark. Die Weltwirtschaftskrise hatte
das Vertrauen in demokratische Institutionen noch weiter geschwächt.
Ein großer Teil der Bevölkerung hatte sich mit den
Machthabern arrangiert. Das Interesse an einer aktiven Gestaltung
der Ortspolitik war alles in allem gering. Abschließend
wird auf ein noch zu bearbeitendes, sicher besonders heikles Forschungsthema
hingewiesen. Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit
nach 1945 und der Kontinuität bei der Besetzung von wirtschaftlichen
und politischen Führungspositionen, die ja in der gesamten
Bundesrepublik zu beobachten war.
Fazit: Eine bemerkenswerte Veröffentlichung, der man viele,
vor allem junge Leser wünscht. Sie sollte zu ähnlich
gründlichen Untersuchungen für andere Orte anregen,
speziell für Oberau und Murnau, besonders aktive lokale Zentren
der Bewegung. Dass man sich mit solchen Studien nicht nur Freunde
schafft, muss man allerdings in Kauf nehmen.
Ludwig Utschneider: Oberammergau im Dritten Reich 1933-1945, 160
Seiten, Schriftenreihe des Historischen Vereins Oberammergau 1999,
Band I (ISBN 3-9807212-0-5).
Heinz Schelle |
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Kreisbote, 5. Juli 2000, 36. Jahrgang
Historischer Verein
Oberammergau (jz) - Ein Jahr nach seiner Gründung lud
jetzt der Historische Verein Oberammergau zu seiner ersten Jahresversammlung
ins Ammergauer Haus. Es war fast ein familiärer Abend, auch
hier hielt die Passion zahlreiche Mitglieder von der Versammlungsteilnahme
ab. Nachdem sich der 1. Vorsitzende Ludwig Utschneider mitten
in wichtigen Prüfungen befand, leitete 2. Vorstand Franz
Kümmerle kommissarisch die Versammlung.
Auf mittlerweile 63 ist die Mitgliederzahl des Vereins angestiegen,
dessen Ziel es ist, Themen zur Heimatgeschichte mit Vorträgen,
Exkursionen und Publikationen einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich zu machen. Und die Aktivitäten im ersten
Jahr können sich sehen lassen. Führung durch die Technik
im Schloß Linderhof, Besuch des Diözesanarchivs München,
Führung durch das Brauereimuseum Ettal mit anschließender
Bierprobe und Diavorführung, umfangreicher Einblick in das
Archiv der Gemeinde Oberammergau und nicht zuletzt, sozusagen
der Höhepunkt, die Buchvorstellung von Ludwig Utschneider
"Oberammergau im Dritten Reich von 1933-1945". Gedruckt
wurden 600 Exemplare, 250 sind verkauft, wenn sich noch ein paar
Interessenten für den Erwerb entscheiden, liegt man bereits
bei Kostendeckung. Das Echo auf dieses Buch war durchwegs positiv,
bemängelt wurde lediglich die kleine Schrift. Jetzt sind
die Mitglieder aufgerufen, Vorschläge für weitere Veröffentlichungen,
eventuell auch in Aufsatzform, zu unterbreiten. Nach der Verlesung
des Gründungsprotokolls vom 11. Juni 1999 gab es einen kurzen,
aber recht positiven Kassenbericht von Dieter Rödel, da sich
der Historische Verein nach einjährigem Bestehen in den schwarzen
Zahlen befindet.
Einstimmig bestätigte die Versammlung Maria Seibold als weitere
Beisitzerin. Beim abschließenden Punkt "Wünsche
und Anträge" wurde die Notwendigkeit eines Ortsführers
mit geschichtlichem und touristischem Aspekt in Form einer Broschüre
angesprochen, hier müsse aber zuerst mit der Gemeinde Oberammergau
Kontakt aufgenommen werden. Der Ausblick in die nähere Zukunft
des Historischen Vereins: Nächster Stammtisch am Donnerstag,
den 14. September, eventuell Besuch der Geschichtsausstellung
in Rosenheim und die Möglichkeit einer kleinen Advents- oder
Weihnachtsfeier. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 151, 4.07.2000
Gründungsjahr gut gemeistert
Historischer Verein zieht erste Bilanz - Ortsführer als nächste
Aufgabe
Oberammergau (pol) - Auf 63 Mitglieder angewachsen ist im ersten
Jahr seines Bestehens der Historische Verein von Oberammergau.
Diese Bilanz zog auf der Jahreshauptversammlung der 2. Vorsitzende
Franz Kümmerle. Den Neuaufnahmen stehe bisher nur ein Austritt
entgegen. In seinem Vorstandsbericht umriss Kümmerle die
Ziele des Vereins, der historische Vorträge organisieren,
Exkursionen unternehmen und heimatgeschichtliche Arbeiten veröffentlichen
will. Die Aktivitäten begannen voriges Jahr mit einer Exkursion
nach Linderhof, wo Walter Lindner zu den königlichen Baulichkeiten
im Park führte. Bei einer Fahrt ins Diözesanarchiv nach
München bestaunte man alte Urkunden, Matrikelbücher
und andere historische Dokumente. Mit einer Besichtigung des Brauereimuseums
in Ettal klang das Gründungsjahr 1999 aus.
Im Januar 2000 führten dann Archivar Helmut Klinner und Fotograf
Johannes Zinner durch das Oberammergauer Gemeindearchiv. Mitte
April erschien bereits der erste Band der Schriftenreihe "Der
Ammergau" des Vereins mit der Magisterarbeit des Vereinsvorsitzenden
Ludwig Utschneider "Oberammergau im Dritten Reich 1933-1945".
Bislang habe Utschneider ein durchwegs positives Echo auf sein
Buch vernommen. Mehr als 150 Exemplare seien inzwischen verkauft,
teilte Kassier Dr. Dieter Rödel mit, der auch auf gesunde
Kassenverhältnisse des jungen Vereins hinwies.
Als nächstes Projekt hat sich der Verein einen Ortsführer
vorgenommen, der zu historischen und kulturgeschichtlichen Punkten
im Dorf führen, allgemeinverständlich verfasst und reich
bebildert sein soll. Beim September-Stammtisch wird über
dieses Vorhaben weiter diskutiert werden. Für Mitte Oktober
ist eine Fahrt nach Rosenheim zur Ausstellung "Die Römer
in Bayern" vorgesehen. Als neue Beisitzerin wurde Maria Seibold
in den Vorstand gewählt. Alles Wissenswerte über den
Verein kann man im Internet unter www.historischer-verein.de erfahren. |
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Kreisbote, 17. Woche, 26.4.2000, 36. Jahrgang
"Der Ammergau"
Erster Band der Schriftenreihe dokumentiert die Zeit von 1933-1945
Oberammergau (jz) - In wenigen Wochen kann der Historische Verein
Oberammergau seinen ersten Geburtstag feiern, jetzt kam in der
angekündigten Schriftenreihe "Der Ammergau" der
erste Band heraus und das gleich mit einem schwierigen Thema,
"Oberammergau im Dritten Reich von 1933-1945" so der
Titel des 160 Seiten umfassenden Buches von Ludwig Utschneider,
dem 1. Vorsitzenden des historischen Vereins. Er wählte dieses
Thema als Magisterarbeit für das Sommersemester 2000. Bis
auf den letzten Platz war der Pfarrsaal besetzt, als vor kurzem
das Buch vorgestellt wurde. 2. Vorsitzender Franz Kümmerle
freute sich über einen solch großen Rahmen, bezeichnete
zugleich das Thema als ein heikles, welches aber einer Aufarbeitung
bedarf. Im Vorfeld war wiederholt zu hören, ob es nötig
sei, diese Sache jetzt noch einmal aufzuwühlen. Der Historische
Verein Oberammergau hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, die Geschichte
Oberammergaus in allen Facetten aufzuzeigen, dazu gehört
auch diese Epoche.
Martin Utschneider von der Raiffeisenbank, die zur Finanzierung
750 Mark beisteuerte freute sich über das Erscheinen des
ersten Bandes der Schriftenreihe, der Einblick in eine schwierige
Phase der Geschichte gibt. Ludwig Utschneider wurde vom Gemeinderat
vor einigen Jahren der Einblick in gemeindliche Unterlagen zu
diesem Thema verweigert, jetzt dachte man anders und leistete
jede Unterstützung, dazu 2. Bürgermeister Rolf Zigon:
"Es war mutig, aber auch notwendig, diesen Teil der Geschichte
aufzuarbeiten. Ich wünsche mir viele Leser des Buches und
entsprechende Diskussionen. Dem Autor bescheinigte er sorgfältigsten
Umgang mit der Thematik.
Ludwig Utschneider dankte allen, die am Zustandekommen des Buches
beteiligt waren und ging bei der Präsentation hauptsächlich
auf die Jahre 1929 bis 1933 ein. Die einzelnen Kapitel beschäftigen
sich u.a. mit der Rolle der NSDAP auf kommunaler Ebene, der Politik
der Gemeinde Oberammergau, mit der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung der Gemeinde im Nationalsozialismus, der Sonderrolle
Oberammergaus mit seinem Passionsspiel als Propagandainstrument
und dem Widerstand und der Verfolgung in Oberammergau in dieser
Zeitepoche.
Ludwig Utschneider abschließend: "Das Buch ist nicht
leicht zu lesen, dafür ist es zu wissenschaftlich."
Doch schon das erste durchblättern machte einen neugierig,
man will mehr wissen. Erhältlich ist der Band zum Preis von
18 Mark bei der Raiffeisenbank, den Buchhandlungen Schwarz und
Härtle in Oberammergau sowie dem Klosterbuchladen in Ettal. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 95, 25.4.2000
Den Mantel des Schweigens lüften
Oberammergau (pol) - Zahlreiche Ammergauer kamen zur Präsentation
des ersten Bandes einer Schriftenreihe des Historischen Vereins
Oberammergau ins katholische Pfarrheim. Vorgestellt wurde das
Buch "Oberammergau im Dritten Reich, 1933 bis 1945"
des Historikers Ludwig Utschneider.
Im Vorfeld der Veranstaltung bekam der ehemalige Geschichtslehrer
des Autors, Franz Kümmerle, manche Kritik zu hören,
als er die Einladung zur Buchpräsentation austrug. Bei seiner
Eröffnungsrede zitierte er Passanten: "Ja was macht
ihr denn da? Das braucht es doch gar nicht. Das ist doch lange
vorbei?" Martin Utschneider, der Bruder des Autors, dessen
Bank die Veröffentlichung großzügig unterstützt,
würdigte die Arbeit, "die eine schwierige, umstrittene
Zeit in emotionsloser Art und Weise umfassend aufgearbeitet"
hat.
Der stellvertretende Bürgermeister von Oberammergau, Rolf
Zigon, hat sich zuerst gedacht: "Ihr seid aber mutig."
Dann erinnerte er sich an seine eigene Schulzeit, in der das Dritte
Reich im Unterricht und in der Familie totgeschwiegen wurde. Heute
unterrichtet er Geschichte und hält das Buch für eine
große Hilfe in der Schule. Zigon regt an, nach einiger Zeit
noch einmal zusammenzukommen und über die Erfahrungen mit
dem Buch zu diskutieren.
Nach diesen Vorreden stellte Ludwig Utschneider sein Werk vor.
Er hat, so sagt er, ähnliche Einwände gehört wie
Franz Kümmerle. Auch in den 90-er Jahren sei es nicht einfach
gewesen, über diesen Abschnitt der Geschichte Oberammergaus
zu forschen: "Nach wie vor wäre es manchem lieber, den
Mantel des Schweigens über diese Episode unserer Vergangenheit
auszubreiten." Das Gegenteil steht aber für Utschneider
im Mittelpunkt, denn die fundierte wissenschaftliche Aufarbeitung
dieser Phase sei nötig: "Wir müssen uns mit der
Geschichte auseinandersetzen, auch wenn unangenehme Tatsachen
ans Licht kommen."
Ludwig Utschneider schildert insbesonders die Jahre, in denen
sich die NSDAP im Ammertal entwickelte und dabei auf ersten Widerstand
stieß. Durch schriftliche Dokumente und Fotos veranschaulichte
der Autor die Einzelheiten dieser Entwicklung. So ist die 1929
in Oberammergau gegründete NSDAP-Ortsgruppe gleich von Anfang
an aktiv geworden. Die Mitglieder haben Flugblätter verteilt
und Versammlungen organisiert. Von sieben Oberammergauern, die
erst kurz zuvor ihren Wohnsitz hierher verlegt hatten, am 23.
August 1929 gegründet, zählte die Partei Ende 1929 neun,
1931 schon 41 Mitglieder. 1934 waren es 165 und 1935 exakt 190
Parteigänger bei 2500 Einwohnern.
Der erste Widerstand kam von kirchlicher Seite. Kaplan Johannes
Fellerer hat, so Utschneider, 1931 und 1932 vor der drohenden
Gefahr des Nationalsozialismus gewarnt. In einer Predigt nahm
er Stellung gegen das antichristliche Parteiprogramm. Kurz darauf
wurde der Geistliche nach Stockdorf versetzt. Utschneider stellte
auch den Nazi-Gauleiter Wagner vor, der 1933 Raimund Lang zum
Bürgermeister machte und sich mehrfach in die Ortspolitik
einmischte, auch in Sachen Passionsspiel.
Zum Abschluss seines Vortrages betonte Ludwig Utschneider, keine
Personen an den Pranger stellen, sondern diese Zeit möglichst
objektiv darstellen und zur Diskussion anregen zu wollen. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 86, 12.4.2000
Ammergau und das Dritte Reich
Historischer Verein: neues Buch
Oberammergau (hut) Der Autor mag nachvollziehen, dass Zeitzeugen
und Teile der älteren Generation mit dem Thema ihre Schwierigkeiten
haben können. Und doch gehört für Ludwig Utschneider,
1. Vorsitzender des Historischen Vereins Oberammergau, auch die
Zeit zwischen 1933 bis 1945, als die Nationalsozialisten an den
Schalthebeln der Macht saßen, zur Geschichte des Passionsspieldorfes.
"Als sich unser Verein", so Utschneider, "vor rund
einem Jahr gegründet hat, haben wir uns auch zum Ziel gesetzt,
die lokale und regionale Geschichte zu erforschen und einer breiteren
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jetzt wird dazu
ein erstes (schriftliches) Werk präsentiert, das 160 Seiten
starke Buch "Der Ammergau" von Ludwig Utschneider, wo
der 25-jährige Autor die gesellschaftlichen, politischen
und wirtschaftlichen Aspekte in seinem Heimatdorf während
des Dritten Reiches näher beleuchtet - zwölf Jahre,
in denen sich Oberammergau auch verändert habe.
Der Bevölkerung wird diese erste Publikation des Historischen
Vereins am kommenden Freitag, 14. April um 20 Uhr im katholischen
Pfarrzentrum, Herkulan-Schwaiger-Gasse 5, vorgestellt, wozu alle
Bürgerinnen und Bürger sowie Interessierte eingeladen
sind.
Die Nachforschungen Utschneiders über diese Zeit in Oberammergau,
zu der es bislang so gut wie nichts nachzulesen gibt, liegen bereits
sieben Jahre zurück. 1993 schrieb er seine Abitur-Facharbeit
zu diesem Thema und wollte Einsicht in frühere Sitzungsprotokolle
des Gemeinderates erhalten, was ihm mehrheitlich vom Plenum abgelehnt
wurde. Immer wieder stieß er dabei "auf Schwierigkeiten,
um an Quellen und Informationen aus der damaligen Zeit zu gelangen."
Heute studiert Ludwig Utschneider Geschichte, Deutsch und Sozialkunde
an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, und
verfasste über "Oberammergau im Dritten Reich"
seine Magisterarbeit. Der Buchautor: "Es liegt mir nicht
daran, Bürger von damals an den Pranger zu stellen. Sämtliche
Namen, bis auf die Personen des öffentlichen Rechts wie Bürgermeister
oder Pfarrer, sind anonymisiert. Ich sehe das Buch als fundierte
wissenschaftliche Arbeit darüber, wie der Nationalsozialismus
die Gemeinde Oberammergau verändert hat." Allein, was
Gebäude anbetrifft, entstanden die neue Schule, die Kasernenanlagen
und Teile St. Gregors während des Dritten Reiches. |
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Kreisbote, 6. Woche, 9.2.2000, 36. Jahrgang
Hinter den Kulissen des Archivs
Oberammergau (jz) - Eine Führung durch den Technikbereich
in Schloss Linderhof, Besuch des Diözesanarchivs in München
und des Brauereimuseums in Ettal, diese Punkte standen bisher
auf dem Programm des Historischen Vereins Oberammergau.
Jetzt wurden die Mitglieder zu einer Führung durch das Archiv
der Gemeinde Oberammergau eingeladen, dabei war der Andrang so
groß, dass man vor Beginn des Rundganges an eine Teilung
der Interessentenschar dachte, doch man rückte einfach enger
zusammen.
In seiner Begrüßung machte Archivar Helmut W. Klinner
deutlich, dass Oberammergau ein Archiv mit gewaltigen Beständen
besitze, wobei die Passion natürlich eine dominante Rolle
spiele. Ab 1930 betreute Alfred Oskar Zwink das Gemeindearchiv,
seit 15 Jahren ist Helmut W. Klinner als Bediensteter der Gemeinde
Oberammergau der zuständige Mann. Als wichtige Arbeitsgrundlage
dienen zur Archivierung u.a. die Richtlinien des Hauptstaatsarchivs.
Schon erstes Erstaunen im Bibliotheksraum, wo mittlerweile knapp
8000 Bücher verwahrt werden und rasch das Gesuchte zu finden
ist. Hier gibt es eine Kartei der Autoren von A-Z sowie eine Titel-
und Schlagwortkartei.
Vom Boden bis zur Decke reichende Regale mit schwarzen Bänden
der Tageszeitungen aus über acht Jahrzehnten im Depot für
Zeitungen. Seit 20 Jahren ist das Gemeindearchiv allerdings zur
übersichtlicheren Archivierung von Presseausschnitten unter
verschiedensten Stichworten übergegangen. Sorgen bereitet
hier die immer schlechter werdende Qualität des Zeitungspapieres,
der Haltbarkeit sind Grenzen gesetzt. Das krasse Gegenteil wurde
den Besuchern offeriert, die Augsburger Postzeitung aus dem Jahre
1840 in bester Qualität. Fasziniert zeigten sich alle von
der umfangreichen Grafiksammlung, Helmut W. Klinner präsentierte
den ältesten im Archiv vorhandenen Originalkupferstich aus
dem Jahre 1650 mit einer Ansicht des Ammertales.
Hochinteressant auch die Gemeinderechnungen ab 1690 als Spiegelbild
der Ortsgeschichte. Im Buchdepot sahen die Vereinsmitglieder stapelweise
Publikationen, vornehmlich im Zusammenhang mit der Passion wie
Bildbände, Textbücher, offizielle Führer und die
Daisenbergerchronik. Alles was mit Bild und Ton zu tun hat, wie
Fotos, darunter die ältesten Aufnahmen von der Passion 1880,
Dias, Negative, CD, LP, MC und Video wurden gezeigt, außerdem
Nachlässe, Gemeindeakten, Theaterspiele, handgeschrieben
Regiebücher, Musikalien, Grundsteuerkataster, Familienbögen
ab 1862 und die umfangreiche Plakatsammlung.
Nach zwei Stunden waren die Oberammergauer vollgestopft mit Impressionen
und eine Besucherin brachte es auf den Punkt: "Das ist ja
nicht zu fassen, was ihr hier alles besitzt, da müsste man
ja Monate bleiben, um alles kennenzulernen." Archivar Klinner
durfte sich also über eine unglaubliche Resonanz freuen,
um weitere Führungen wird er nicht herumkommen. Einzelbesucher
haben sich bereits angekündigt, auch die Volkshochschule
bat um einen Termin. Ludwig Utschneider, Vorstand des Historischen
Vereins dankte für die eindrucksvolle Führung durch
das Gemeindearchiv, das sich als eine für jedermann zugängliche
gemeindliche Einrichtung präsentierte. Noch immer sind zu
viele der Meinung, ein Archiv werde wie ein Kronschatz behütet. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 3, 5.01.2000
"Unsinn! Altes Bier war auch damals nicht gut"
Historischer Verein zu Besuch in der Ettaler Klosterbrauerei
Oberammergau. - "Warum fragten früher immer die alten
Leute nach altem Bier?" Dieser Frage musste sich der Brauer
Wolfgang Taubitz stellen, als er den Mitgliedern des Historischen
Vereins Oberammergau in der Ettaler Klosterbrauerei alte und neue
Brauverfahren gegenüberstellte. Die Antwort war eindeutig:
"Das ist Unsinn, altes Bier war auch damals nicht gut."
Für die Mitglieder war es interessant, dass sich am Brauverfahren
über Jahrhunderte hinweg nur wenig geändert hat. Die
Veränderungen liegen laut Taubitz eher in der Optimierung
der Arbeitsvorgänge durch bessere Geräte und kürzere
Abfüllwege. Trotz der Neuerungen bleibt die Ettaler Brauerei
ein Heute dürfen nur vier Brauereien ihr Produkt als "Klosterbier"
vertreiben, da nur noch diese die Anforderungen des Verbrauchers
an ein Klosterbier erfüllen. In einem Gutachten wurde festgestellt,
dass der Herstellungsort Kloster, ein dunkler kräftiges Bier
und ein traditionelles Brauverfahren die Kriterien des Klosterbiertrinkers
sind. Bemerkenswert ist diese Zahl von vier Brauereien deswegen,
weil vor der Säkularisierung 1803 die Zahl der Klosterbrauereien
bei knapp 300 lag.
Über die Geschichte des klösterlichen Brauens und damit
über einen Teil der Kirchengeschichte informierte der Schriftführer
des Historischen Vereins bei einem Probeumtrunk. Ausgehend von
der Ordensregel des Heiligen Benedikt von Nursia wurden "Das
Maß des Getränkes, Werkzeug und Gerät des Klosters,
Mönche als Handwerker" als Klosterregeln vorgestellt,
die bis heute gelten. Über die Problematik des Bierausschankes
in Klöstern berichtet eine Quelle von 1820: "Es geht
die laute Sage und Klage, dass in ein und andern Convent mit Ausschenkung
des Biers an Weltliche viel Missbrauch geschehe... Dass durch
so viele weltliche Biergäste die klösterliche Ruhe und
Disciplin gefährdet wird... ist offenbar anerkannt und der
Gewinn, der von unserm Institut widrigen Gewerbes fließet
kann unmöglich von Gott gesegnet werden."
Dass sich hier etwas geändert hat, zeigen die knapp 30 Zuhörenden,
die den Abend "ruhig und diszipliniert" ausklingen ließen.
Uwe Reineke |
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| 1999 |
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 23.12.1999
"Pfarrkinder nachlässig im Glauben"
Oberammergau (ab) - In den Genuss einer nicht alltäglichen
Führung kamen vor kurzem die Mitglieder des Historischen
Vereins Oberammergau im Diözesan-Archiv in München.
Drei Archivare führten die Gruppe und zeigten ihr Archivalien
mit Bezug zu Oberammergau. Dabei wurde auch ein originelles Foto
von den Sternsingern entdeckt, das, wie sich herausstellte, aus
dem Jahr 1924 stammt. Dieses Bild ist derzeit auch im Rahmen einer
Ausstellung im Pilatushaus zu sehen.
Nach einer Einführung in die Archivgeschichte und das Gebäude,
des ehemaligen Karmeliterklosters, wurden die Matrikelbücher
aus den einzelnen Pfarrarchiven gezeigt. Diese Bücher sind
wichtig für die Familienforschung. Sie sind unterteilt in
Geburts-, Sterbe-, und Eheschließungsbücher, zum Teil
auch in Begräbnisbücher. Gezeigt wurde der Begräbniseintrag
von König Ludwig II. Leider fehlt für Oberammergau ein
Buch aus dem 17. Jahrhundert. Interessante Stücke gab es
auch bei den Pfarrakten zu sehen. Neben dem Rosner-Originaltext
von 1750 wurden auch eher alltägliche Aktennotizen gezeigt,
so eine Beschwerde der Gemeinde, dass Pfarrer Pruutz die seelsorgerische
Arbeit vernachlässige. Die Kirchenweihe ist übrigens
für den 17. Juni belegt.
In den Bänden der Kunsttopographie sind alle Kunstgegenstände
der Kirche beschrieben, was bei Diebstählen sehr hilfreich
ist. Interessant waren auch die seelsorgerischen Jahresberichte:
1950 beklagt sich Pfarrer Dr. Bogenrieder, dass das Geld aus der
Passion verschleudert werde und 1953 stellt er fest, "dass
die Pfarrkinder sehr nachlässig im Glauben sind und nur Autos,
Motorrad, Bergsteigen und Lagerleben im Kopf haben". Irgendwelche
Parallelen zur Gegenwart wären im übrigen rein zufällig... |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 238, 14.10.1999
Märchenkönig? Technik-Freak?
Die andere Seite Ludwigs II. - Hinter den Kulissen von Schloss
Linderhof
Linderhof (eb) - Zwei Jahre vor Patentanmeldung der Glühbirne
(Kohlefadenglühlampe) durch Thomas Alva Edison im Jahre 1879
fuhr König Ludwig II. von Bayern schon mit einer "elektrischen
Beleuchtung" am Schlitten durch das Graswangtal zum Schloss
Linderhof. Dasselbe Ziel steuerten jetzt 18 Mitglieder des neu
gegründeten Historischen Vereins Oberammergau an, um sich
einmal eine andere Seite des Märchenkönigs zu vergegenwärtigen.
Der technische Leiter der Staatlichen Schlösserverwaltung
in Linderhof, Walter Lindner, hatte eine Führung durch die
technischen Anlagen von Schloss und Schlosspark angeboten.
Ausgangspunkt war der Parkplatz vor dem Schloss, von wo aus man
einen Blick auf die Brunnenköpfe werfen kann, von denen aus
wiederum die Schlossanlagen seit Ludwigs Zeiten über ein
wirkungsvolles Leitungssystem mit Wasser versorgt werden. Auch
die Wasserspiele im Park werden ohne eine weitere Pumpanlage von
dort gespeist. Der Druck durch den Höhenunterschied des herabfließenden
Wassers reicht aus, um die Fontäne vor dem Schloss zu erzeugen.
"Bei voller Kerzenbeleuchtung und beheizt ist das Schloss
ein ganz anderes als das, was der Tourist normal gezeigt bekommt,"
betonte Walter Lindner: "Die Wirkung ist eine ganz andere."
Er selber habe das allerdings auch nur einmal miterlebt, als Visconti
den Film über Ludwig II. drehte. Das bekannte "Tischlein-Deck-Dich"
ist weniger wegen seiner Originalität bemerkenswert, als
vielmehr durch die technische Ausführung. Durch ein Bänder-
statt eines Kettenaufzugs sei laut Lindner ein so vibrationsfreier
Betrieb möglich, dass ein gefülltes Weinglas den speisenden
König ohne Verlust erreichen konnte. Bad und Toilette mit
Wasserspülung (!) entsprachen in den heute nur selten zugänglichen
Nebenräumen damals den neuesten Stand und hatten nichts mehr
mit der fragwürdigen Hygiene des französischen Sonnenkönigs
Ludwig XIV. in Versailles gemein.
"Ludwigs Grotte wirkt nur auf den ersten Blick wie die Spinnerei
eines Königs", führte Tour-Leiter Lindner weiter
aus. Man könne sie auch als Experimentierfeld des technischen
Fortschritts in Bayern verstehen. In den Details seien wahre Sensationen
versteckt: So die Reglersysteme für technische Anlagen, die
noch heute funktionieren und Extra-Anfertigungen waren; oder die
"Wellenmaschinen" und auch ein Klimatisierungs-System
in der auf 24 Grad Luft und 27 Grad Wasser erwärmte Grotte.
Die Heizkessel unter der Grotte wurden allerdings 1945 zum Schrottpreis
von acht Pfennig das Kilo verkauft.
Am maurischen Kiosk ließ sich der Nachtmensch Ludwig die
Pfauenfenster von außen mit Kohlenfadenlampen beleuchten,
wobei ihn aber immer das Surren der abbrennenden Kohlstäbe
störte. Hundinghütte und Gurnemanzklause sind wie die
Grotte Nachbauten von Bühnenbildern zu Wagner-Opern und erst
seit wenigen Jahren auf dem Schlossgelände. Die Technik-Begeisterung
des Märchenkönigs ist nach den Worten Lindners im übrigen
nichts Neues; sein eigenes Mitwirken bei den Entwicklungen und
die Rolle der dahinter stehenden Menschen seien aber noch nicht
so erforscht, dass man es nachlesen könne.
Insofern war diese Führung gerade für die historisch
Interessierten wirklich etwas ganz Besonderes. Das Schlusswort
gehörte dem vorsichtig und sorgsam formulierendem Walter
Lindner: "Vor diesem Hintergrund wie üblich noch von
einem Märchenkönig zu sprechen, also ich weiß
nicht, hmm..."
Gleichlautender Artikel im Kreisbote, 27.10.1999, 35. Jahrgang
(43. Woche) |
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Kreisbote, 23.06.1999, 35. Jahrgang
Historischer Verein wurde jetzt
gegründet
Oberammergau (jz)-. Geschichte allgemein, die Ortsgeschichte
im speziellen, Bereiche die nach wie vor das Interesse von jung
und alt finden, das zeigte sich vor kurzem in Oberammergau bei
der Gründung eines historischen Vereins Viele Geschichtsinteressierte
aus Oberammergau und Umgebung konnte 1. Bürgermeister Klement
Fend im Restaurant des Ammergauer Hauses begrüßen.
Josef Ostler, 1. Vorsitzender des Vereins für Kunst- und
Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab eine
kurze Einführung über Sinn und Bedeutung historischer
Vereine, die im hiesigen Landkreis im Gegensatz zum übrigen
Bayern etwas unterrepräsentiert seien. Historische Vereine,
so Ostler, wollen die Geschichte an interessierte Mitbürger
vermitteln. Ausflugsfahrten zu geschichtlich bedeutsamen Zielen,
Ausstellungen, Vorträge und lockere Stammtische tragen dazu
bei. Josef Ostler gab auch hilfreiche Tips zur Satzungsgestaltung
und wünschte dem neuen Verein, dass er gut in die Bahnen
kommt.
1. Bürgermeister Fend, der die Versammlung bis zur Wahl der
Vorstandschaft kommissarisch leitete, ging auf die Überlegungen
ein, die zur Gründung eines historischen Vereins in Oberammergau
führten. Im Ammertal gibt es viele interessierte Bürgerinnen
und Bürger, zudem kann die Gemeinde Oberammergau ein sehr
gut betreutes Archiv anbieten. Im weiteren Versammlungsverlauf
ging es um die Satzung des neuen Vereins, völlig problemlos
gestaltete sich die Wahl der ersten Vorstandschaft. Alle Kandidaten
stellten sich kurz vor, per Akklamation wurde gewählt. Und
mit dieser Vorstandschaft startet der historische Verein Oberammergau
in die ersten Jahre. 1. Vorsitzender Ludwig Utschneider, 2. Vorsitzender
Franz Kümmerle, Schriftführer Uwe Reineke, Schatzmeister
Dr. Dieter Rödel, Beisitzer: 1. Bürgermeister Klement
Fend, Archivar Helmut W. Klinner, Museumsleiter Florian Lang,
Rektor Werner Sappa und Annelies Buchwieser, Vorsitzende des Pilatushausvereins.
Zu Rechnungsprüfern wurden Christel Beck und Georg Horak
bestimmt.
1. Vorstand Ludwig Utschneider übernahm nun die Versammlungsleitung
und ließ über den Jahresbeitrag abstimmen, der auf
20 Mark für Einzelpersonen und 35 DM für Familien festgelegt
wurde. Damit hat der junge Verein sein erstes wichtiges Standbein,
demnächst erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister und
schon in Kürze wird der Verein in seinem Sinne tätig.
Beim ersten Stammtisch am 1. Juli um 19.30 Uhr im Ammergauer Haus
kommen hoffentlich interessante Themen zur Sprache. Zu diesem
Abend sind natürlich auch Nichtmitglieder herzlich willkommen,
dabei bietet sich Gelegenheit, einmal in den neuen Verein hineinzuschnuppern. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 133, 14.06.1999
Die Spuren der Heimat erforschen
Historischer Verein gegründet
Oberammergau (ret) Nun hat auch der Passionsort ein offizielles
Gremium zur Erforschung und Pflege der Orts- bzw. Kulturgeschichte:
vor 41 anwesenden Gründungsmitgliedern wurde am Freitagabend
im Ammergauer Haus der Historische Verein Oberammergau aus der
Taufe gehoben. Zu ihrem ersten Vorstand kürte die Versammlung
den Geschichtsstudenten Ludwig Utschneider.
Unter den geschichtsinteressierten Ammergauern und Gästen,
die zur Gründungsversammlung gekommen waren, konnte Bürgermeister
Klement Fend auch Ehrenbürger Walter Edel und den Vorsitzenden
des historischen Vereins des Landkreises, Josef Ostler aus Garmisch-Partenkirchen,
begrüßen. Dieser half mit Rat und Tat bei der Neugründung
und gab in seiner Grußadresse auch Tips rein praktischer
Art: "Halten Sie den Vereinsnamen kurz" oder: "Der
Jahresbeitrag sollte am Anfang nicht zu hoch sein." Gerne
wurden seine Ratschläge aufgegriffen.
Klement Fend stellte die geplante Satzung vor, an der dann während
der Versammlung noch gefeilt wurde. Schließlich trugen sich
41 Anwesende als Gründungsmitglieder in einer Liste ein und
schritten dann zu den ersten Wahlen.
Es verwundert nicht, dass man sich entschloß, erst einmal
die gelernten Historiker ins Feld zu schicken. Jeweils ohne Gegenstimmen
wurden Ludwig Utschneider zum 1. Vorsitzenden, der Geschichtslehrer
Franz Kümmerle zum Stellvertreter, Uwe Reineke, ebenfalls
Geschichtslehrer, zum Schriftführer und der promovierte Historiker
Dr. Dieter Rödel zum Schatzmeister gewählt. In den Ausschuß
rückten dann die Praktiker ein. Als Beisitzer konnten Bürgermeister
Klement Fend, Schulrektor Werner Sappa, Schnitzer und Heimatmuseums-Direktor
Florian Lang sowie Annelies Buchwieser, Vorsitzende des Pilatushausvereins,
und Gemeindearchivar Helmut W. Klinner gewonnen werden.
Der Verein will durch Publikationen, Vorträge und Ausstellungen
historisch Wichtiges und Interessantes aus der Geschichte Oberammergaus
an die Öffentlichkeit bringen. Fachexkursionen sollen die
Arbeit ergänzen. Klement Fend hob lobend hervor, dass sich
vor allem junge Leute im Vorfeld stark um die Gründung des
Vereins bemüht hatten. Der bewusst niedrig gehaltene Jahresbeitrag
beträgt für Einzelpersonen 20 Mark, für Familien
35 Mark. Auch erhofft sich der als gemeinnützig konzipierte
Verein ein gewisses Spendenaufkommen, um die geplanten Publikationen
verwirklichen zu können. Diese sollen dann auch an die Mitglieder
kostenlos ausgegeben werden, so dass deren Zahl schon in Bälde
anwachsen dürfte. Beitrittsformulare gibt es übrigens
im Rathaus.
Die Mitglieder und natürlich Interessenten treffen sich zum
ersten Stammtisch am 1. Juli um19.30 Uhr im Restaurant Bürgerstuben
des Ammergauer Hauses. |
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Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 126, 5. / 6.06.1999
In Ortsgeschichte weiterforschen
Gründung eines Historischen Vereins
Oberammergau (sp) - Wie wichtig das Wissen über den eigenen
Heimatort ist, hat Joseph Alois Daisenberger schon im Jahre 1859
erkannt und mit seiner Feder festgehalten: "Denn es ist ohne
Zweifel die Kenntniß der Vergangenheit des Heimat-Ortes
ein nicht unwichtiger Zweig der allgemeinen Volksbildung, vielfach
auch über die Verhältnisse der Gegenwart belehrend,
und sehr förderlich zur Belebung der Abhänglichkeiten
an den Vaterort und somit auch an das Vaterland."
An allen Plätzen, auf den Straßen und in vielen Häusern
von Oberammergau wird die eigene Geschichte des Ortes auch heute
noch lebendig. Und dennoch gibt es viele unbekannte Kapitel, noch
vieles, was entdeckt werden kann. Diese Ansicht vertreten acht
namhafte Oberammergauer, die, um Licht ins Dunkel dieser Geheimnisse
zu bringen, jetzt einen Historischen Verein ins Leben rufen wollen.
Dieser soll eine Art Sammelbecken für all diejenigen werden,
die in der Heimatgeschichte mitarbeiten und forschen wollen. Ideen
und Anregungen für die künftige Arbeit des Vereins können
zur Gründungsversammlung am Freitag, 11. Juni, ab 20 Uhr
im Ammergauer Haus mitgebracht werden. |
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