Presseberichte Historischer Verein Oberammergau 1999 e.V.

2001

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 185, 13.08.2001

Internet-Anfragen bis aus USA

Ammergau-Bände des Historischen Vereins schon fast ausverkauft

Oberammergau (pol) Gut angekommen sind die beiden ersten Bände der Schriftenreihe „Der Ammergau“ des Historischen Vereins Oberammergau bei geschichtlich interessierten Bürgern und Gästen: Das berichtete Vereinsvorsitzender Ludwig Utschneider in der Jahreshauptversammlung. Sowohl vom ersten Band  über „Oberammergau im Dritten Reich“ als auch vom zweiten Band, dem Reisetagebuch zur Passion 1890, „Einmal Oberammergau und  zurück“ sind nur noch jeweils 60 Exemplare nicht verkauft.

Dieser Verkaufserfolg und die auf 70 angestiegene Mitgliederzahl (man hofft auf noch mehr) haben auch zu einem „sehr erfreulichen Kassenbestand“ geführt, wie ihn der Kassenbericht von Dieter Rödel spiegelte. Die Mitgliedsbeiträge werden zum Jahreswechsel im Verhältnis 2:1 auf Euro umgestellt. Ab 1. Januar 2002 werden dann statt 20 Mark zehn Euro und statt 35 Mark 17,50 Euro abgebucht.

Das nächste Buchprojekt des Vereins, ein historischer und  kulturgeschichtlicher Ortsführer durch Oberammergau, bereitet dem Vorstand noch finanzielle Sorgen. Denn die voraussichtlichen Kosten kann die Vereinskasse nicht alleine tragen. Man hofft, dass sich die Gemeinde beziehungsweise ihr Eigenbetrieb „Oberammergau Tourismus“ daran beteiligt. Aus dem Verein haben sich bereits mehre Mitglieder zur Mitarbeit bereit erklärt und Arbeiten für den Ortsführer übernommen.

Als erste Exkursion dieses Jahres hob Utschneider die Besichtigung der Klosterkirche St. Johann Baptist in Steingaden hervor. Dabei habe Professor Hans Pörnbacher durch diesen nach der Wies zweiten bedeutenden romanischen Bau des Pfaffenwinkel geführt. Das Mittelschiff des Gotteshauses, das Mitte des 18. Jahrhunderts dem Zeitgeist angepasst wurde, gehöre „zu den schönsten kirchlichen Rokoko-Räumen Süddeutschlands“ (Pörnbacher). Die nächste Exkursion führt am 13. Oktober über den historischen Lehrpfad an der Alten Etta1er Bergstraße Oberau - Ettal.

Erfreuliches Interesse findet die Homepage des Vereins (www.historischer-verein.de). Utschneider berichtete von Anfragen aus den USA, vom Goethe-Institut in Kopenhagen, von der Universität Heidelberg und aus der Schweiz. Auf der Homepage seien zur Zeit ein dreiseitiger Abriss der Dorfgeschichte und eine 36-seitige Bibliografie zur Oberammergauer Dorfgeschichte abrufbar In Vorbereitung seien unter dem Stichwort „Quellen zur Geschichte“ Gendarmerieberichte aus den Jahren 1934 bis 1945.


Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 119, 25.05.2001

Wie ein Bauer der Rhön 1890 die Passionsspiele erlebte

Historischer Verein veröffentlicht Reisetagebuch – Auf Speicher entdeckt

Oberammergau (pol) - Die vier jungen Männer, die am 3. Juli 1890 aus dem 1000-Seelen-Dorf  Stockheim am südöstlichen Rande der Rhön aufbrachen, um die Oberammergauer Passionsspiele zu besuchen, waren einfache Leute. Der Bauer Matthäus Storath; sein Bruder Siegfried und ihre Freunde Wilhelm Albert und Hilarius Krieg waren alle so um die 40 Jahre alt. Auf ihrer Reise ließen sie sich von dem 1890 in München erschienen „Offiziellen Führer zum Oberammergauer Passionsspiel“ von Anton Lang leiten.

Ein halbes Jahr nach der Heimkehr schrieb Matthäus Storath im eiskalten Winter in seiner Stube den Reisebericht nieder. Eine Nachbarin entdeckte die Aufzeichnungen kürzlich bei der Entrümpelung des Speichers, und die Würzburger Historikerin Dr. Heidrun Alzheimer hat das Reisetagebuch unter dem Titel  „Einmal Oberammergau und zurück“ jetzt herausgegeben, eingeleitet und kommentiert.

Als Band zwei der Schriftenreihe „Der Ammergau“ des Historischen Verein

Oberammergau wurde es nun im Pilatushaus von der vom Vereinsvorsitzenden Ludwig Utschneider begrüßten Herausgeberin vorgestellt.

110 Jahre nach der 1890er Passion kann man sich kaum noch vorstellen, wie beschwerlich es damals für einfache Leute war, eine so weite Reise zu unternehmen. Für die vier Rhöner begann sie mit einem Fußmarsch zum nächsten Bahnhof und endete wieder mit einem Fußmarsch von Oberau nach Oberammergau, wo sie nicht nur das Passionsspiel besuchten, sondern auch Ausflüge zu den Königsschlössern unternahmen - bis Linderhof. Und wieder zu Fuß.

Der Reiz der Reisebeschreibung liege, so Dr. Heidrun Alzheimer, in der Schilderung der Passionsspiele und der Atmosphäre im Ort, in den Gästehäusern, den Andenkenläden, beim Kartenverkauf sowie in der detailverliebten Beschreibung der Ausstattung der Königsschlösser im Zustand vier Jahre nach dem Tod von Ludwig II. Storaths Aufzeichnungen gewähren dem heutigen Leser Einsichten in die Gedankenwelt eines einfachen Bauern am Ausgang des 19. Jahrhunderts, in seine religiöse Überzeugung und politische Gesinnung.

Die Herausgeberin schilderte auch, wie schwierig es war, die 206 Seiten eng in schräger Sütterlinschrift aufgezeichneten Erlebnisse zu entziffern und in heutige Schreibweise umzusetzen. Aus Sparsamkeit hatte der Bauer nämlich in dem 17x21 Zentimeter großen, unlinierten Notizbuch kaum Ränder stehen lassen und fast nie einen Absatz eingefügt. Das mit 50 Bildern und Faksimiles aus dem Jahr 1890 illustrierte Buch ist zum Preis von 25 Mark im Buchhandel erhältlich.


Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 114, 18.05.2001

Reisetagebucheines Bauern

Oberammergau (hut)- Das Buch „Einmal Oberammergau und zurück Reisetagebuch des Bauern Matthäus Storath aus Stockheim/ Rhön“ stellt der Historische Verein Oberammergau am heutigen Freitag, 18 Mai ab 20 Uhr im Pilatushaus der Öffentlichkeit vor. Zur Präsentation sind Interessierte und alle Mitglieder des Vereins (bekommen ein kostenloses Exemplar) eingeladen. Herausgeberin dieser Schriftreihe in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein ist die Würzburger Volkskundlerin Dr. Heidrun Alzheimer, die diesen außergewöhnlichen Reisebericht eines Bauern bearbeitet und kommentiert hat. Das Buch ist irm übrigen nur in einer geringen Auflage verfügbar.


Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 111, 15.05.2001

Bauer besucht die Passion

Oberammergau (ab) - Der Text wurde vor etwa einem Jahr auf dem Speicher eines Bauernhofes in der Nähe von Schweinfurt gefunden. Es handelte sich um einen Reisebericht eines Bauern zur Passion 1890 in Oberammergau. Inzwischen ist aus diesen Aufzeichnungen ein Buch entstanden, das der Historische Verein Oberammergau am kommenden Freitag, 18 Mai, um 20 Uhr im Pilatushaus vorstellt. Der Titel der Veröffentlichung lautet: „Einmal Oberammergau und zurück. Reisetagebuch des Bauern Matthäus Storath aus Stockheim / Rhön.“

Der  Reisebericht zur 1890’er Passion wurde herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein von der Würzburger Volkskundlerin Dr. Heidrun Alzheimer, die den handschriftlichen Originaltext ediert, eingeleitet und kommentiert hat. Als sich die Finder des Textes an sie gewandt hatten, erkannte die Wissenschaftlerin schnell, dass sich dieser Reisebericht durch eine sehr interessante Beobachtungsgabe auszeichnet. Neben der Darstellung der Passion wird genau beschrieben, wie man 1890 reiste. Zeitdauer, Geschwindigkeiten der Verkehrsmittel und Kommentierung des aus Reiseführern Bekanntem machen den Reiz dieses Textes aus.

Der Textedition von cirka 170 Seiten hinzugefügt wurden Bilder aus der Zeit um 1890, die das von M Storath Gesehene untermalen.


Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 74, 29.03.2001

Exkursion, Führer und Römer-Funde

Jahresplanung des Historischen Vereins

Oberammergau (pol) – Gut ein Jahr nach der Präsentation des 1. Bandes der Schriftenreihe des Historischen Vereins Oberammergau (Ludwig Utschneider, „Oberammergau im Dritten Reich“) wird der erst 1999 gegründete Verein im Mai einen zweiten Band auflegen. Es handelt sich dabei um einen zufällig aufgefundenen Reisebericht eines Rhön-Bauern aus Stockheim, der 1890 die Passionsspiele besuchte. Sein Titel: „Einmal Oberammergau und zurück“. Die Vorstellung des Buches ist für den 15. Mai geplant.

Die Planung des Historischen Vereins für dieses Jahr sieht außerdem eine Führung durch das Kloster Steingaden, eine Wanderung über den historischen Lehrpfad von Oberau nach Ettal über die Alte Ettaler Straße mit Professor Heinz Schelle vor sowie eine Exkursion zur Staffelsee-Insel Wörth, eine Fahrt ins Hauptstaatsarchiv München sowie einen Vortrag von Dr. Zanier vom Institut für Vor- und Frühgeschichte über die bisherigen Ergebnisse der Forschungen zu den Römerfunden am Döttenbichl.

In Angriff genommen hat der Verein bereits die Erarbeitung eines historischen Ortsführers – ein größeres Projekt, dessen Ergebnis wohl nicht so bald vorgelegt werden kann, weil es noch zeitaufwendiger Recherchen bedarf. Außer einem einleitenden Abriss der Ortsgeschichte, so die Idee, will man den historisch interessierten Gästen und Urlaubern in Oberammergau einen Rundgang durch das Dorf empfehlen, bei dem auf Besonderheiten wie Schnitzen und Lüftlmalerei hingewiesen und deren Entstehung erklärt wird.

Historische Gebäude, möglichst in alten und aktuellen Fotos vorgestellt, sollen die einzelnen Stationen des Rundganges bilden und im Text in ihrer historischen und heutigen Bedeutung beschrieben werden. Vereinsvorsitzender Ludwig Utschneider legte dazu auch eine Liste mit Objekten vor, die im Ortsführer beschrieben werden sollten; mehrere Vereinsmitglieder wählten daraus bereits Häuser, Straßen und Plätze aus, die sie bearbeiten wollen.


Kreisbote, Nr. 5, 31.01.2001, 37. Jahrgang

Historischer Ortsführer

Oberammergau (jz) – Der Historische Verein Oberammergau hat ein neues Objekt im Visier. Geplant ist die Herausgabe eines historischen Ortsführers. Bisher gibt es nur ein Faltblatt mit Beschreibung von Schnitzschule, Pilatushaus, Heimatmuseum, Kreuzigungsgruppe, Passionstheater, Pfarrkirche und Lüftlmalerei, veröffentlicht vor mehr als 10 Jahren durch Verkehrsbüro und Gemeinde Oberammergau.

Angesprochen wurden beim letzten Stammtisch des Historischen Vereins die derzeit auf dem Markt erhältlichen Führer, die sich mit Oberammergau sowie den Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung beschäftigen. Auch der „Goldner-Führer“ wurde erwähnt, der zur Passion 1980 auf den Markt kam. Seinerzeit ein gutes Werk, das aber nicht mehr im Handel ist. Wer ihn in seiner Handbibliothek stehen hat, greift immer noch darauf zurück.

Mit einem aktuellen historischen Ortsführer will man die Lücke nun schließen. Alle historisch bedeutsamen Gebäude sollen aufgeführt werden, allerdings möchte man kein Bilderbuch herausbringen, knapp gehaltene Texte müssen dem Interessierten die nötige Information liefern.

Eine erste Bestandsaufnahme machte schon deutlich, dass es an Themen nicht mangeln wird, zumal auch die erst in den letzten Jahrzehnten entstandenen Gebäude wie Wellenber oder Ammergauer Haus Erwähnung finden müssen. Ebenso Denkmäler, sowie die alten und neuen Brunnen in und um den Ort.

Arbeit genug für die Mitglieder des Historischen Vereins. Entscheidend ist die Finanzierung des im DIN A 5 Format geplanten Führers. Jetzt müssen erst einmal Kostenangebote eingeholt werden, eventuell soll ein Teil über Anzeigen finanziert werden.

Eine wichtige Rolle spielt sicher auch der Endverkaufspreis. Ist er zu hoch, wird nicht so leicht zugegriffen, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten.


2000

Süddeutsche Zeitung, Nr. 209, 11.9.2000
Wie die Nazis mit der Passion für ihr neues Deutschland warben
Magisterarbeit geht den nationalsozialistischen Spuren in Oberammergau nach

Von Angelika Hoch
OBERAMMERGAU - Im völlig neu gestalteten Text der Oberammergauer Passion 2000 gibt es keinerlei antijüdische Passagen mehr. Das war nicht immer so. Vor 70 Jahren lobte Joseph Goebbels das Spiel als ein Stück "wahren Volkstums", das Gedanken der antijüdischen Ideologie des Nationalsozialismus enthalte. Goebbels und Adolf Hitler gehörten 1930 zu den Passionsbesuchern. Auch bei der außerhalb des Zehnjahres-Rhythmus anlässlich des 300-jährigen Jubiläums gespielten Passion im Jahr 1934 kam Hitler nach Oberammergau. Das Spiel hatte in den Augen der NS-Machthaber große propagandistische Bedeutung, sollte es doch dem Ausland demonstrieren, welch ein friedliebender Staat das neue nationalsozialistische Deutschland sei.
Welche Rolle die Passion für die Nationalsozialisten spielte, gehört zu den Themen der Magisterarbeit "Oberammergau im Dritten Reich 1933-45" von Ludwig Utschneider. Das Werk ist jetzt als Band 1 der Schriftenreihe des 1999 gegründeten Historischen Vereins Oberammergau erschienen. Die wissenschaftliche Untersuchung zeigt am Beispiel des Passionsspieldorfes, wie der totalitäre Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten auf kommunaler Ebene Gestalt annahm und sich durchsetzte. Die Oberammergauer NSDAP-Ortsgruppe wurde am 23. August 1929 von sieben Oberammergauern gegründet, die alle erst kurz vorher in den Ort gezogen waren. Erst 1930 traten verstärkt auch Einheimische der Ortsgruppe bei. Am 6. April 1930 kam es während einer Ortsgruppenveranstaltung zu Handgreiflichkeiten. Daraufhin verbot der Gemeinderat für die Zeit des Passionsspiels 1930 sämtliche Parteiveranstaltungen. Ab 1931 konnte dann die örtliche NSDAP einen kontinuierlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen.
Problematisch speziell für die Oberammergauer Nationalsozialisten blieb nach Recherchen des Autors neben heftig geführten internen Auseinandersetzungen die besonders starke Verwurzelung vieler Dorfbewohner in ihrem Glauben. Der NSDAP sei es in den zwölf Jahren ihrer Herrschaft nicht gelungen, "den bodenständigen Glauben der Bevölkerung zu brechen und ihn zu ihren Gunsten umzuformen", schreibt Utschneider. Gelungen ist es den Nazis dagegen Ende der dreißiger Jahre, "das Passionsspiel als antisemitisches Theater" zu vereinnahmen. Gegen dieses Ansinnen habe es keine Gegenwehr gegeben, so dass die Gemeinde Oberammergau die rassistische Politik des Dritten Reiches mit getragen habe. Die Untersuchung Utschneiders basiert auf umfangreichen historischen Quellen, unter anderem aus den Archiven der Gemeinde und des Pfarramtes Oberammergaus. Der Autor berichtet, dass es nicht immer einfach gewesen sei, Zugang zu Quellenmaterial zu bekommen. Teils sei die Einsichtnahme sogar verhindert worden. Mehrfach habe man ihm nahe gelegt, eine solche Arbeit "nicht zu schreiben und den Mantel des Schweigens darüber zu breiten." Kontakt: Historischer Verein Oberammergau, Telephon 08822/4950 und www.historischer-verein.de

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 191, 21.8.2000
Passion Glaubensspiel oder Propaganda-Instrument?
Wie sich der Nationalsozialismus in Oberammergau entwickelte

Oberammergau - Wer sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus in überschaubaren Orten wie Oberammergau befasst, muss damit rechnen, dass sein Vorhaben nicht auf allgemeine Zustimmung stößt und er als "Nestbeschmutzer" diffamiert wird. Sehr schnell wird man von Stammtischen - aber nicht nur von diesen - zu hören bekommen, dass man über die "alten Geschichten" endlich Gras wachsen lassen solle. Auch Ludwig Utschneider, der junge Vorsitzende des erst 1999 gegründeten Historischen Vereins Oberammergau, hat - wie er berichtet - diesen Ratschlag bekommen. Er hat ihn nicht beherzigt, sondern eine umfangreiche Magisterarbeit vorgelegt. Wenngleich sich auch andere Autoren wie Peter Schwarz, Josef Brandner, Alois Schwarzmüller und Richard Heigl mit Teilaspekten des Nationalsozialismus in unserer Gegend befasst haben, so ist die Arbeit von Utschneider doch die erste vollständige Darstellung der Entwicklung des Nationalsozialismus in einem Ort des Landkreises Garmisch-Partenkirchen.
Auf umfangreichem Quellenstudium aufbauend arbeitet der Autor heraus, wie sich die NSDAP in einem Ort, der stark von Katholizismus und Konservativismus geformt war, entwickeln konnte. Die Bedeutung der wirtschaftlichen Not dabei wird deutlich hervorgehoben. Der Historiker geht mit großem Takt vor und nennt, wie seine Vorgänger auch, nur die Akteure namentlich, die das Geschehen entscheidend beeinflusst haben. Es ist faszinierend zu lesen, wie die Formationen der Partei (wie SA und SS) den Alltag prägten. Utschneider gelingt es zu zeigen, dass die Ortsgruppe der NSDAP relativ wenig Einfluss hatte, die eigentliche Macht bei Bürgermeister Raimund Lang lag, "der als Alleinherrscher die Geschicke des Ortes lenkte." Der Autor zeichnet ein differenziertes Bild dieser starken Persönlichkeit und übersieht dabei keineswegs die Verdienste, die Lang sich für das Dorf erworben hat.
Eine große Bereicherung für die Wirtschaftsgeschichte unseres Landkreises sind die umfangreichen Ausführungen zu den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Oberammergau und zur kommunalen Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Zeit der Diktatur. Ein Ergebnis ist, dass sich die wirtschaftliche Situation des Dorfes von 1933 bis 1939 erheblich verbessert hat.
Ein aus heutiger Sicht besonders wichtiges Kapitel ist die Darstellung der Bedeutung des Passionsspiels ("Propagandainstrument oder Glaubensspiel?") und des Einflusses, den Staat und Partei auf seine Gestaltung genommen haben. Weitere Kapitel werden dem Widerstand und der Verfolgung von politischen Gegnern gewidmet. Widerstand wurde - so das Resultat - nur von wenigen geleistet. Zu den wichtigsten Kämpfern gegen die "Braunen" gehörten drei katholische Geistliche. Schließlich wird die Situation Oberammergaus im Krieg behandelt. Die Frage, wie eng die Bindung der Bevölkerung an den Nationalsozialismus wirklich war, beantwortet Utschneider mit Recht sehr zurückhaltend. Sein Urteil: Die demokratische Gesinnung in der Zeit der Weimarer Republik war nicht sehr stark. Die Weltwirtschaftskrise hatte das Vertrauen in demokratische Institutionen noch weiter geschwächt. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte sich mit den Machthabern arrangiert. Das Interesse an einer aktiven Gestaltung der Ortspolitik war alles in allem gering. Abschließend wird auf ein noch zu bearbeitendes, sicher besonders heikles Forschungsthema hingewiesen. Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit nach 1945 und der Kontinuität bei der Besetzung von wirtschaftlichen und politischen Führungspositionen, die ja in der gesamten Bundesrepublik zu beobachten war.
Fazit: Eine bemerkenswerte Veröffentlichung, der man viele, vor allem junge Leser wünscht. Sie sollte zu ähnlich gründlichen Untersuchungen für andere Orte anregen, speziell für Oberau und Murnau, besonders aktive lokale Zentren der Bewegung. Dass man sich mit solchen Studien nicht nur Freunde schafft, muss man allerdings in Kauf nehmen.
Ludwig Utschneider: Oberammergau im Dritten Reich 1933-1945, 160 Seiten, Schriftenreihe des Historischen Vereins Oberammergau 1999, Band I (ISBN 3-9807212-0-5).
Heinz Schelle

Kreisbote, 5. Juli 2000, 36. Jahrgang
Historischer Verein

Oberammergau (jz) - Ein Jahr nach seiner Gründung lud jetzt der Historische Verein Oberammergau zu seiner ersten Jahresversammlung ins Ammergauer Haus. Es war fast ein familiärer Abend, auch hier hielt die Passion zahlreiche Mitglieder von der Versammlungsteilnahme ab. Nachdem sich der 1. Vorsitzende Ludwig Utschneider mitten in wichtigen Prüfungen befand, leitete 2. Vorstand Franz Kümmerle kommissarisch die Versammlung.

Auf mittlerweile 63 ist die Mitgliederzahl des Vereins angestiegen, dessen Ziel es ist, Themen zur Heimatgeschichte mit Vorträgen, Exkursionen und Publikationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und die Aktivitäten im ersten Jahr können sich sehen lassen. Führung durch die Technik im Schloß Linderhof, Besuch des Diözesanarchivs München, Führung durch das Brauereimuseum Ettal mit anschließender Bierprobe und Diavorführung, umfangreicher Einblick in das Archiv der Gemeinde Oberammergau und nicht zuletzt, sozusagen der Höhepunkt, die Buchvorstellung von Ludwig Utschneider "Oberammergau im Dritten Reich von 1933-1945". Gedruckt wurden 600 Exemplare, 250 sind verkauft, wenn sich noch ein paar Interessenten für den Erwerb entscheiden, liegt man bereits bei Kostendeckung. Das Echo auf dieses Buch war durchwegs positiv, bemängelt wurde lediglich die kleine Schrift. Jetzt sind die Mitglieder aufgerufen, Vorschläge für weitere Veröffentlichungen, eventuell auch in Aufsatzform, zu unterbreiten. Nach der Verlesung des Gründungsprotokolls vom 11. Juni 1999 gab es einen kurzen, aber recht positiven Kassenbericht von Dieter Rödel, da sich der Historische Verein nach einjährigem Bestehen in den schwarzen Zahlen befindet.
Einstimmig bestätigte die Versammlung Maria Seibold als weitere Beisitzerin. Beim abschließenden Punkt "Wünsche und Anträge" wurde die Notwendigkeit eines Ortsführers mit geschichtlichem und touristischem Aspekt in Form einer Broschüre angesprochen, hier müsse aber zuerst mit der Gemeinde Oberammergau Kontakt aufgenommen werden. Der Ausblick in die nähere Zukunft des Historischen Vereins: Nächster Stammtisch am Donnerstag, den 14. September, eventuell Besuch der Geschichtsausstellung in Rosenheim und die Möglichkeit einer kleinen Advents- oder Weihnachtsfeier.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 151, 4.07.2000
Gründungsjahr gut gemeistert
Historischer Verein zieht erste Bilanz - Ortsführer als nächste Aufgabe

Oberammergau (pol) - Auf 63 Mitglieder angewachsen ist im ersten Jahr seines Bestehens der Historische Verein von Oberammergau. Diese Bilanz zog auf der Jahreshauptversammlung der 2. Vorsitzende Franz Kümmerle. Den Neuaufnahmen stehe bisher nur ein Austritt entgegen. In seinem Vorstandsbericht umriss Kümmerle die Ziele des Vereins, der historische Vorträge organisieren, Exkursionen unternehmen und heimatgeschichtliche Arbeiten veröffentlichen will. Die Aktivitäten begannen voriges Jahr mit einer Exkursion nach Linderhof, wo Walter Lindner zu den königlichen Baulichkeiten im Park führte. Bei einer Fahrt ins Diözesanarchiv nach München bestaunte man alte Urkunden, Matrikelbücher und andere historische Dokumente. Mit einer Besichtigung des Brauereimuseums in Ettal klang das Gründungsjahr 1999 aus.
Im Januar 2000 führten dann Archivar Helmut Klinner und Fotograf Johannes Zinner durch das Oberammergauer Gemeindearchiv. Mitte April erschien bereits der erste Band der Schriftenreihe "Der Ammergau" des Vereins mit der Magisterarbeit des Vereinsvorsitzenden Ludwig Utschneider "Oberammergau im Dritten Reich 1933-1945". Bislang habe Utschneider ein durchwegs positives Echo auf sein Buch vernommen. Mehr als 150 Exemplare seien inzwischen verkauft, teilte Kassier Dr. Dieter Rödel mit, der auch auf gesunde Kassenverhältnisse des jungen Vereins hinwies.
Als nächstes Projekt hat sich der Verein einen Ortsführer vorgenommen, der zu historischen und kulturgeschichtlichen Punkten im Dorf führen, allgemeinverständlich verfasst und reich bebildert sein soll. Beim September-Stammtisch wird über dieses Vorhaben weiter diskutiert werden. Für Mitte Oktober ist eine Fahrt nach Rosenheim zur Ausstellung "Die Römer in Bayern" vorgesehen. Als neue Beisitzerin wurde Maria Seibold in den Vorstand gewählt. Alles Wissenswerte über den Verein kann man im Internet unter www.historischer-verein.de erfahren.

Kreisbote, 17. Woche, 26.4.2000, 36. Jahrgang
"Der Ammergau"
Erster Band der Schriftenreihe dokumentiert die Zeit von 1933-1945

Oberammergau (jz) - In wenigen Wochen kann der Historische Verein Oberammergau seinen ersten Geburtstag feiern, jetzt kam in der angekündigten Schriftenreihe "Der Ammergau" der erste Band heraus und das gleich mit einem schwierigen Thema, "Oberammergau im Dritten Reich von 1933-1945" so der Titel des 160 Seiten umfassenden Buches von Ludwig Utschneider, dem 1. Vorsitzenden des historischen Vereins. Er wählte dieses Thema als Magisterarbeit für das Sommersemester 2000. Bis auf den letzten Platz war der Pfarrsaal besetzt, als vor kurzem das Buch vorgestellt wurde. 2. Vorsitzender Franz Kümmerle freute sich über einen solch großen Rahmen, bezeichnete zugleich das Thema als ein heikles, welches aber einer Aufarbeitung bedarf. Im Vorfeld war wiederholt zu hören, ob es nötig sei, diese Sache jetzt noch einmal aufzuwühlen. Der Historische Verein Oberammergau hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, die Geschichte Oberammergaus in allen Facetten aufzuzeigen, dazu gehört auch diese Epoche.
Martin Utschneider von der Raiffeisenbank, die zur Finanzierung 750 Mark beisteuerte freute sich über das Erscheinen des ersten Bandes der Schriftenreihe, der Einblick in eine schwierige Phase der Geschichte gibt. Ludwig Utschneider wurde vom Gemeinderat vor einigen Jahren der Einblick in gemeindliche Unterlagen zu diesem Thema verweigert, jetzt dachte man anders und leistete jede Unterstützung, dazu 2. Bürgermeister Rolf Zigon: "Es war mutig, aber auch notwendig, diesen Teil der Geschichte aufzuarbeiten. Ich wünsche mir viele Leser des Buches und entsprechende Diskussionen. Dem Autor bescheinigte er sorgfältigsten Umgang mit der Thematik.
Ludwig Utschneider dankte allen, die am Zustandekommen des Buches beteiligt waren und ging bei der Präsentation hauptsächlich auf die Jahre 1929 bis 1933 ein. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich u.a. mit der Rolle der NSDAP auf kommunaler Ebene, der Politik der Gemeinde Oberammergau, mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Gemeinde im Nationalsozialismus, der Sonderrolle Oberammergaus mit seinem Passionsspiel als Propagandainstrument und dem Widerstand und der Verfolgung in Oberammergau in dieser Zeitepoche.
Ludwig Utschneider abschließend: "Das Buch ist nicht leicht zu lesen, dafür ist es zu wissenschaftlich." Doch schon das erste durchblättern machte einen neugierig, man will mehr wissen. Erhältlich ist der Band zum Preis von 18 Mark bei der Raiffeisenbank, den Buchhandlungen Schwarz und Härtle in Oberammergau sowie dem Klosterbuchladen in Ettal.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 95, 25.4.2000
Den Mantel des Schweigens lüften

Oberammergau (pol) - Zahlreiche Ammergauer kamen zur Präsentation des ersten Bandes einer Schriftenreihe des Historischen Vereins Oberammergau ins katholische Pfarrheim. Vorgestellt wurde das Buch "Oberammergau im Dritten Reich, 1933 bis 1945" des Historikers Ludwig Utschneider.
Im Vorfeld der Veranstaltung bekam der ehemalige Geschichtslehrer des Autors, Franz Kümmerle, manche Kritik zu hören, als er die Einladung zur Buchpräsentation austrug. Bei seiner Eröffnungsrede zitierte er Passanten: "Ja was macht ihr denn da? Das braucht es doch gar nicht. Das ist doch lange vorbei?" Martin Utschneider, der Bruder des Autors, dessen Bank die Veröffentlichung großzügig unterstützt, würdigte die Arbeit, "die eine schwierige, umstrittene Zeit in emotionsloser Art und Weise umfassend aufgearbeitet" hat.
Der stellvertretende Bürgermeister von Oberammergau, Rolf Zigon, hat sich zuerst gedacht: "Ihr seid aber mutig." Dann erinnerte er sich an seine eigene Schulzeit, in der das Dritte Reich im Unterricht und in der Familie totgeschwiegen wurde. Heute unterrichtet er Geschichte und hält das Buch für eine große Hilfe in der Schule. Zigon regt an, nach einiger Zeit noch einmal zusammenzukommen und über die Erfahrungen mit dem Buch zu diskutieren.
Nach diesen Vorreden stellte Ludwig Utschneider sein Werk vor. Er hat, so sagt er, ähnliche Einwände gehört wie Franz Kümmerle. Auch in den 90-er Jahren sei es nicht einfach gewesen, über diesen Abschnitt der Geschichte Oberammergaus zu forschen: "Nach wie vor wäre es manchem lieber, den Mantel des Schweigens über diese Episode unserer Vergangenheit auszubreiten." Das Gegenteil steht aber für Utschneider im Mittelpunkt, denn die fundierte wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Phase sei nötig: "Wir müssen uns mit der Geschichte auseinandersetzen, auch wenn unangenehme Tatsachen ans Licht kommen."
Ludwig Utschneider schildert insbesonders die Jahre, in denen sich die NSDAP im Ammertal entwickelte und dabei auf ersten Widerstand stieß. Durch schriftliche Dokumente und Fotos veranschaulichte der Autor die Einzelheiten dieser Entwicklung. So ist die 1929 in Oberammergau gegründete NSDAP-Ortsgruppe gleich von Anfang an aktiv geworden. Die Mitglieder haben Flugblätter verteilt und Versammlungen organisiert. Von sieben Oberammergauern, die erst kurz zuvor ihren Wohnsitz hierher verlegt hatten, am 23. August 1929 gegründet, zählte die Partei Ende 1929 neun, 1931 schon 41 Mitglieder. 1934 waren es 165 und 1935 exakt 190 Parteigänger bei 2500 Einwohnern.
Der erste Widerstand kam von kirchlicher Seite. Kaplan Johannes Fellerer hat, so Utschneider, 1931 und 1932 vor der drohenden Gefahr des Nationalsozialismus gewarnt. In einer Predigt nahm er Stellung gegen das antichristliche Parteiprogramm. Kurz darauf wurde der Geistliche nach Stockdorf versetzt. Utschneider stellte auch den Nazi-Gauleiter Wagner vor, der 1933 Raimund Lang zum Bürgermeister machte und sich mehrfach in die Ortspolitik einmischte, auch in Sachen Passionsspiel.
Zum Abschluss seines Vortrages betonte Ludwig Utschneider, keine Personen an den Pranger stellen, sondern diese Zeit möglichst objektiv darstellen und zur Diskussion anregen zu wollen.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 86, 12.4.2000
Ammergau und das Dritte Reich
Historischer Verein: neues Buch

Oberammergau (hut) Der Autor mag nachvollziehen, dass Zeitzeugen und Teile der älteren Generation mit dem Thema ihre Schwierigkeiten haben können. Und doch gehört für Ludwig Utschneider, 1. Vorsitzender des Historischen Vereins Oberammergau, auch die Zeit zwischen 1933 bis 1945, als die Nationalsozialisten an den Schalthebeln der Macht saßen, zur Geschichte des Passionsspieldorfes.

"Als sich unser Verein", so Utschneider, "vor rund einem Jahr gegründet hat, haben wir uns auch zum Ziel gesetzt, die lokale und regionale Geschichte zu erforschen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jetzt wird dazu ein erstes (schriftliches) Werk präsentiert, das 160 Seiten starke Buch "Der Ammergau" von Ludwig Utschneider, wo der 25-jährige Autor die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte in seinem Heimatdorf während des Dritten Reiches näher beleuchtet - zwölf Jahre, in denen sich Oberammergau auch verändert habe.
Der Bevölkerung wird diese erste Publikation des Historischen Vereins am kommenden Freitag, 14. April um 20 Uhr im katholischen Pfarrzentrum, Herkulan-Schwaiger-Gasse 5, vorgestellt, wozu alle Bürgerinnen und Bürger sowie Interessierte eingeladen sind.
Die Nachforschungen Utschneiders über diese Zeit in Oberammergau, zu der es bislang so gut wie nichts nachzulesen gibt, liegen bereits sieben Jahre zurück. 1993 schrieb er seine Abitur-Facharbeit zu diesem Thema und wollte Einsicht in frühere Sitzungsprotokolle des Gemeinderates erhalten, was ihm mehrheitlich vom Plenum abgelehnt wurde. Immer wieder stieß er dabei "auf Schwierigkeiten, um an Quellen und Informationen aus der damaligen Zeit zu gelangen."
Heute studiert Ludwig Utschneider Geschichte, Deutsch und Sozialkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, und verfasste über "Oberammergau im Dritten Reich" seine Magisterarbeit. Der Buchautor: "Es liegt mir nicht daran, Bürger von damals an den Pranger zu stellen. Sämtliche Namen, bis auf die Personen des öffentlichen Rechts wie Bürgermeister oder Pfarrer, sind anonymisiert. Ich sehe das Buch als fundierte wissenschaftliche Arbeit darüber, wie der Nationalsozialismus die Gemeinde Oberammergau verändert hat." Allein, was Gebäude anbetrifft, entstanden die neue Schule, die Kasernenanlagen und Teile St. Gregors während des Dritten Reiches.

Kreisbote, 6. Woche, 9.2.2000, 36. Jahrgang
Hinter den Kulissen des Archivs

Oberammergau (jz) - Eine Führung durch den Technikbereich in Schloss Linderhof, Besuch des Diözesanarchivs in München und des Brauereimuseums in Ettal, diese Punkte standen bisher auf dem Programm des Historischen Vereins Oberammergau.

Jetzt wurden die Mitglieder zu einer Führung durch das Archiv der Gemeinde Oberammergau eingeladen, dabei war der Andrang so groß, dass man vor Beginn des Rundganges an eine Teilung der Interessentenschar dachte, doch man rückte einfach enger zusammen.
In seiner Begrüßung machte Archivar Helmut W. Klinner deutlich, dass Oberammergau ein Archiv mit gewaltigen Beständen besitze, wobei die Passion natürlich eine dominante Rolle spiele. Ab 1930 betreute Alfred Oskar Zwink das Gemeindearchiv, seit 15 Jahren ist Helmut W. Klinner als Bediensteter der Gemeinde Oberammergau der zuständige Mann. Als wichtige Arbeitsgrundlage dienen zur Archivierung u.a. die Richtlinien des Hauptstaatsarchivs.
Schon erstes Erstaunen im Bibliotheksraum, wo mittlerweile knapp 8000 Bücher verwahrt werden und rasch das Gesuchte zu finden ist. Hier gibt es eine Kartei der Autoren von A-Z sowie eine Titel- und Schlagwortkartei.
Vom Boden bis zur Decke reichende Regale mit schwarzen Bänden der Tageszeitungen aus über acht Jahrzehnten im Depot für Zeitungen. Seit 20 Jahren ist das Gemeindearchiv allerdings zur übersichtlicheren Archivierung von Presseausschnitten unter verschiedensten Stichworten übergegangen. Sorgen bereitet hier die immer schlechter werdende Qualität des Zeitungspapieres, der Haltbarkeit sind Grenzen gesetzt. Das krasse Gegenteil wurde den Besuchern offeriert, die Augsburger Postzeitung aus dem Jahre 1840 in bester Qualität. Fasziniert zeigten sich alle von der umfangreichen Grafiksammlung, Helmut W. Klinner präsentierte den ältesten im Archiv vorhandenen Originalkupferstich aus dem Jahre 1650 mit einer Ansicht des Ammertales.
Hochinteressant auch die Gemeinderechnungen ab 1690 als Spiegelbild der Ortsgeschichte. Im Buchdepot sahen die Vereinsmitglieder stapelweise Publikationen, vornehmlich im Zusammenhang mit der Passion wie Bildbände, Textbücher, offizielle Führer und die Daisenbergerchronik. Alles was mit Bild und Ton zu tun hat, wie Fotos, darunter die ältesten Aufnahmen von der Passion 1880, Dias, Negative, CD, LP, MC und Video wurden gezeigt, außerdem Nachlässe, Gemeindeakten, Theaterspiele, handgeschrieben Regiebücher, Musikalien, Grundsteuerkataster, Familienbögen ab 1862 und die umfangreiche Plakatsammlung.
Nach zwei Stunden waren die Oberammergauer vollgestopft mit Impressionen und eine Besucherin brachte es auf den Punkt: "Das ist ja nicht zu fassen, was ihr hier alles besitzt, da müsste man ja Monate bleiben, um alles kennenzulernen." Archivar Klinner durfte sich also über eine unglaubliche Resonanz freuen, um weitere Führungen wird er nicht herumkommen. Einzelbesucher haben sich bereits angekündigt, auch die Volkshochschule bat um einen Termin. Ludwig Utschneider, Vorstand des Historischen Vereins dankte für die eindrucksvolle Führung durch das Gemeindearchiv, das sich als eine für jedermann zugängliche gemeindliche Einrichtung präsentierte. Noch immer sind zu viele der Meinung, ein Archiv werde wie ein Kronschatz behütet.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 3, 5.01.2000
"Unsinn! Altes Bier war auch damals nicht gut"
Historischer Verein zu Besuch in der Ettaler Klosterbrauerei

Oberammergau. - "Warum fragten früher immer die alten Leute nach altem Bier?" Dieser Frage musste sich der Brauer Wolfgang Taubitz stellen, als er den Mitgliedern des Historischen Vereins Oberammergau in der Ettaler Klosterbrauerei alte und neue Brauverfahren gegenüberstellte. Die Antwort war eindeutig: "Das ist Unsinn, altes Bier war auch damals nicht gut."

Für die Mitglieder war es interessant, dass sich am Brauverfahren über Jahrhunderte hinweg nur wenig geändert hat. Die Veränderungen liegen laut Taubitz eher in der Optimierung der Arbeitsvorgänge durch bessere Geräte und kürzere Abfüllwege. Trotz der Neuerungen bleibt die Ettaler Brauerei ein Heute dürfen nur vier Brauereien ihr Produkt als "Klosterbier" vertreiben, da nur noch diese die Anforderungen des Verbrauchers an ein Klosterbier erfüllen. In einem Gutachten wurde festgestellt, dass der Herstellungsort Kloster, ein dunkler kräftiges Bier und ein traditionelles Brauverfahren die Kriterien des Klosterbiertrinkers sind. Bemerkenswert ist diese Zahl von vier Brauereien deswegen, weil vor der Säkularisierung 1803 die Zahl der Klosterbrauereien bei knapp 300 lag.
Über die Geschichte des klösterlichen Brauens und damit über einen Teil der Kirchengeschichte informierte der Schriftführer des Historischen Vereins bei einem Probeumtrunk. Ausgehend von der Ordensregel des Heiligen Benedikt von Nursia wurden "Das Maß des Getränkes, Werkzeug und Gerät des Klosters, Mönche als Handwerker" als Klosterregeln vorgestellt, die bis heute gelten. Über die Problematik des Bierausschankes in Klöstern berichtet eine Quelle von 1820: "Es geht die laute Sage und Klage, dass in ein und andern Convent mit Ausschenkung des Biers an Weltliche viel Missbrauch geschehe... Dass durch so viele weltliche Biergäste die klösterliche Ruhe und Disciplin gefährdet wird... ist offenbar anerkannt und der Gewinn, der von unserm Institut widrigen Gewerbes fließet kann unmöglich von Gott gesegnet werden."
Dass sich hier etwas geändert hat, zeigen die knapp 30 Zuhörenden, die den Abend "ruhig und diszipliniert" ausklingen ließen.
Uwe Reineke

1999
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 23.12.1999
"Pfarrkinder nachlässig im Glauben"

Oberammergau (ab) - In den Genuss einer nicht alltäglichen Führung kamen vor kurzem die Mitglieder des Historischen Vereins Oberammergau im Diözesan-Archiv in München. Drei Archivare führten die Gruppe und zeigten ihr Archivalien mit Bezug zu Oberammergau. Dabei wurde auch ein originelles Foto von den Sternsingern entdeckt, das, wie sich herausstellte, aus dem Jahr 1924 stammt. Dieses Bild ist derzeit auch im Rahmen einer Ausstellung im Pilatushaus zu sehen.
Nach einer Einführung in die Archivgeschichte und das Gebäude, des ehemaligen Karmeliterklosters, wurden die Matrikelbücher aus den einzelnen Pfarrarchiven gezeigt. Diese Bücher sind wichtig für die Familienforschung. Sie sind unterteilt in Geburts-, Sterbe-, und Eheschließungsbücher, zum Teil auch in Begräbnisbücher. Gezeigt wurde der Begräbniseintrag von König Ludwig II. Leider fehlt für Oberammergau ein Buch aus dem 17. Jahrhundert. Interessante Stücke gab es auch bei den Pfarrakten zu sehen. Neben dem Rosner-Originaltext von 1750 wurden auch eher alltägliche Aktennotizen gezeigt, so eine Beschwerde der Gemeinde, dass Pfarrer Pruutz die seelsorgerische Arbeit vernachlässige. Die Kirchenweihe ist übrigens für den 17. Juni belegt.
In den Bänden der Kunsttopographie sind alle Kunstgegenstände der Kirche beschrieben, was bei Diebstählen sehr hilfreich ist. Interessant waren auch die seelsorgerischen Jahresberichte: 1950 beklagt sich Pfarrer Dr. Bogenrieder, dass das Geld aus der Passion verschleudert werde und 1953 stellt er fest, "dass die Pfarrkinder sehr nachlässig im Glauben sind und nur Autos, Motorrad, Bergsteigen und Lagerleben im Kopf haben". Irgendwelche Parallelen zur Gegenwart wären im übrigen rein zufällig...

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 238, 14.10.1999
Märchenkönig? Technik-Freak?
Die andere Seite Ludwigs II. - Hinter den Kulissen von Schloss Linderhof

Linderhof (eb) - Zwei Jahre vor Patentanmeldung der Glühbirne (Kohlefadenglühlampe) durch Thomas Alva Edison im Jahre 1879 fuhr König Ludwig II. von Bayern schon mit einer "elektrischen Beleuchtung" am Schlitten durch das Graswangtal zum Schloss Linderhof. Dasselbe Ziel steuerten jetzt 18 Mitglieder des neu gegründeten Historischen Vereins Oberammergau an, um sich einmal eine andere Seite des Märchenkönigs zu vergegenwärtigen. Der technische Leiter der Staatlichen Schlösserverwaltung in Linderhof, Walter Lindner, hatte eine Führung durch die technischen Anlagen von Schloss und Schlosspark angeboten.
Ausgangspunkt war der Parkplatz vor dem Schloss, von wo aus man einen Blick auf die Brunnenköpfe werfen kann, von denen aus wiederum die Schlossanlagen seit Ludwigs Zeiten über ein wirkungsvolles Leitungssystem mit Wasser versorgt werden. Auch die Wasserspiele im Park werden ohne eine weitere Pumpanlage von dort gespeist. Der Druck durch den Höhenunterschied des herabfließenden Wassers reicht aus, um die Fontäne vor dem Schloss zu erzeugen.
"Bei voller Kerzenbeleuchtung und beheizt ist das Schloss ein ganz anderes als das, was der Tourist normal gezeigt bekommt," betonte Walter Lindner: "Die Wirkung ist eine ganz andere." Er selber habe das allerdings auch nur einmal miterlebt, als Visconti den Film über Ludwig II. drehte. Das bekannte "Tischlein-Deck-Dich" ist weniger wegen seiner Originalität bemerkenswert, als vielmehr durch die technische Ausführung. Durch ein Bänder- statt eines Kettenaufzugs sei laut Lindner ein so vibrationsfreier Betrieb möglich, dass ein gefülltes Weinglas den speisenden König ohne Verlust erreichen konnte. Bad und Toilette mit Wasserspülung (!) entsprachen in den heute nur selten zugänglichen Nebenräumen damals den neuesten Stand und hatten nichts mehr mit der fragwürdigen Hygiene des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles gemein.
"Ludwigs Grotte wirkt nur auf den ersten Blick wie die Spinnerei eines Königs", führte Tour-Leiter Lindner weiter aus. Man könne sie auch als Experimentierfeld des technischen Fortschritts in Bayern verstehen. In den Details seien wahre Sensationen versteckt: So die Reglersysteme für technische Anlagen, die noch heute funktionieren und Extra-Anfertigungen waren; oder die "Wellenmaschinen" und auch ein Klimatisierungs-System in der auf 24 Grad Luft und 27 Grad Wasser erwärmte Grotte. Die Heizkessel unter der Grotte wurden allerdings 1945 zum Schrottpreis von acht Pfennig das Kilo verkauft.
Am maurischen Kiosk ließ sich der Nachtmensch Ludwig die Pfauenfenster von außen mit Kohlenfadenlampen beleuchten, wobei ihn aber immer das Surren der abbrennenden Kohlstäbe störte. Hundinghütte und Gurnemanzklause sind wie die Grotte Nachbauten von Bühnenbildern zu Wagner-Opern und erst seit wenigen Jahren auf dem Schlossgelände. Die Technik-Begeisterung des Märchenkönigs ist nach den Worten Lindners im übrigen nichts Neues; sein eigenes Mitwirken bei den Entwicklungen und die Rolle der dahinter stehenden Menschen seien aber noch nicht so erforscht, dass man es nachlesen könne.
Insofern war diese Führung gerade für die historisch Interessierten wirklich etwas ganz Besonderes. Das Schlusswort gehörte dem vorsichtig und sorgsam formulierendem Walter Lindner: "Vor diesem Hintergrund wie üblich noch von einem Märchenkönig zu sprechen, also ich weiß nicht, hmm..."

Gleichlautender Artikel im Kreisbote, 27.10.1999, 35. Jahrgang (43. Woche)

Kreisbote, 23.06.1999, 35. Jahrgang
Historischer Verein wurde jetzt gegründet

Oberammergau (jz)-. Geschichte allgemein, die Ortsgeschichte im speziellen, Bereiche die nach wie vor das Interesse von jung und alt finden, das zeigte sich vor kurzem in Oberammergau bei der Gründung eines historischen Vereins Viele Geschichtsinteressierte aus Oberammergau und Umgebung konnte 1. Bürgermeister Klement Fend im Restaurant des Ammergauer Hauses begrüßen.

Josef Ostler, 1. Vorsitzender des Vereins für Kunst- und Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab eine kurze Einführung über Sinn und Bedeutung historischer Vereine, die im hiesigen Landkreis im Gegensatz zum übrigen Bayern etwas unterrepräsentiert seien. Historische Vereine, so Ostler, wollen die Geschichte an interessierte Mitbürger vermitteln. Ausflugsfahrten zu geschichtlich bedeutsamen Zielen, Ausstellungen, Vorträge und lockere Stammtische tragen dazu bei. Josef Ostler gab auch hilfreiche Tips zur Satzungsgestaltung und wünschte dem neuen Verein, dass er gut in die Bahnen kommt.
1. Bürgermeister Fend, der die Versammlung bis zur Wahl der Vorstandschaft kommissarisch leitete, ging auf die Überlegungen ein, die zur Gründung eines historischen Vereins in Oberammergau führten. Im Ammertal gibt es viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, zudem kann die Gemeinde Oberammergau ein sehr gut betreutes Archiv anbieten. Im weiteren Versammlungsverlauf ging es um die Satzung des neuen Vereins, völlig problemlos gestaltete sich die Wahl der ersten Vorstandschaft. Alle Kandidaten stellten sich kurz vor, per Akklamation wurde gewählt. Und mit dieser Vorstandschaft startet der historische Verein Oberammergau in die ersten Jahre. 1. Vorsitzender Ludwig Utschneider, 2. Vorsitzender Franz Kümmerle, Schriftführer Uwe Reineke, Schatzmeister Dr. Dieter Rödel, Beisitzer: 1. Bürgermeister Klement Fend, Archivar Helmut W. Klinner, Museumsleiter Florian Lang, Rektor Werner Sappa und Annelies Buchwieser, Vorsitzende des Pilatushausvereins. Zu Rechnungsprüfern wurden Christel Beck und Georg Horak bestimmt.
1. Vorstand Ludwig Utschneider übernahm nun die Versammlungsleitung und ließ über den Jahresbeitrag abstimmen, der auf 20 Mark für Einzelpersonen und 35 DM für Familien festgelegt wurde. Damit hat der junge Verein sein erstes wichtiges Standbein, demnächst erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister und schon in Kürze wird der Verein in seinem Sinne tätig. Beim ersten Stammtisch am 1. Juli um 19.30 Uhr im Ammergauer Haus kommen hoffentlich interessante Themen zur Sprache. Zu diesem Abend sind natürlich auch Nichtmitglieder herzlich willkommen, dabei bietet sich Gelegenheit, einmal in den neuen Verein hineinzuschnuppern.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 133, 14.06.1999
Die Spuren der Heimat erforschen
Historischer Verein gegründet

Oberammergau (ret) Nun hat auch der Passionsort ein offizielles Gremium zur Erforschung und Pflege der Orts- bzw. Kulturgeschichte: vor 41 anwesenden Gründungsmitgliedern wurde am Freitagabend im Ammergauer Haus der Historische Verein Oberammergau aus der Taufe gehoben. Zu ihrem ersten Vorstand kürte die Versammlung den Geschichtsstudenten Ludwig Utschneider.

Unter den geschichtsinteressierten Ammergauern und Gästen, die zur Gründungsversammlung gekommen waren, konnte Bürgermeister Klement Fend auch Ehrenbürger Walter Edel und den Vorsitzenden des historischen Vereins des Landkreises, Josef Ostler aus Garmisch-Partenkirchen, begrüßen. Dieser half mit Rat und Tat bei der Neugründung und gab in seiner Grußadresse auch Tips rein praktischer Art: "Halten Sie den Vereinsnamen kurz" oder: "Der Jahresbeitrag sollte am Anfang nicht zu hoch sein." Gerne wurden seine Ratschläge aufgegriffen.
Klement Fend stellte die geplante Satzung vor, an der dann während der Versammlung noch gefeilt wurde. Schließlich trugen sich 41 Anwesende als Gründungsmitglieder in einer Liste ein und schritten dann zu den ersten Wahlen.
Es verwundert nicht, dass man sich entschloß, erst einmal die gelernten Historiker ins Feld zu schicken. Jeweils ohne Gegenstimmen wurden Ludwig Utschneider zum 1. Vorsitzenden, der Geschichtslehrer Franz Kümmerle zum Stellvertreter, Uwe Reineke, ebenfalls Geschichtslehrer, zum Schriftführer und der promovierte Historiker Dr. Dieter Rödel zum Schatzmeister gewählt. In den Ausschuß rückten dann die Praktiker ein. Als Beisitzer konnten Bürgermeister Klement Fend, Schulrektor Werner Sappa, Schnitzer und Heimatmuseums-Direktor Florian Lang sowie Annelies Buchwieser, Vorsitzende des Pilatushausvereins, und Gemeindearchivar Helmut W. Klinner gewonnen werden.
Der Verein will durch Publikationen, Vorträge und Ausstellungen historisch Wichtiges und Interessantes aus der Geschichte Oberammergaus an die Öffentlichkeit bringen. Fachexkursionen sollen die Arbeit ergänzen. Klement Fend hob lobend hervor, dass sich vor allem junge Leute im Vorfeld stark um die Gründung des Vereins bemüht hatten. Der bewusst niedrig gehaltene Jahresbeitrag beträgt für Einzelpersonen 20 Mark, für Familien 35 Mark. Auch erhofft sich der als gemeinnützig konzipierte Verein ein gewisses Spendenaufkommen, um die geplanten Publikationen verwirklichen zu können. Diese sollen dann auch an die Mitglieder kostenlos ausgegeben werden, so dass deren Zahl schon in Bälde anwachsen dürfte. Beitrittsformulare gibt es übrigens im Rathaus.
Die Mitglieder und natürlich Interessenten treffen sich zum ersten Stammtisch am 1. Juli um19.30 Uhr im Restaurant Bürgerstuben des Ammergauer Hauses.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 126, 5. / 6.06.1999
In Ortsgeschichte weiterforschen
Gründung eines Historischen Vereins

Oberammergau (sp) - Wie wichtig das Wissen über den eigenen Heimatort ist, hat Joseph Alois Daisenberger schon im Jahre 1859 erkannt und mit seiner Feder festgehalten: "Denn es ist ohne Zweifel die Kenntniß der Vergangenheit des Heimat-Ortes ein nicht unwichtiger Zweig der allgemeinen Volksbildung, vielfach auch über die Verhältnisse der Gegenwart belehrend, und sehr förderlich zur Belebung der Abhänglichkeiten an den Vaterort und somit auch an das Vaterland."
An allen Plätzen, auf den Straßen und in vielen Häusern von Oberammergau wird die eigene Geschichte des Ortes auch heute noch lebendig. Und dennoch gibt es viele unbekannte Kapitel, noch vieles, was entdeckt werden kann. Diese Ansicht vertreten acht namhafte Oberammergauer, die, um Licht ins Dunkel dieser Geheimnisse zu bringen, jetzt einen Historischen Verein ins Leben rufen wollen. Dieser soll eine Art Sammelbecken für all diejenigen werden, die in der Heimatgeschichte mitarbeiten und forschen wollen. Ideen und Anregungen für die künftige Arbeit des Vereins können zur Gründungsversammlung am Freitag, 11. Juni, ab 20 Uhr im Ammergauer Haus mitgebracht werden.

Historischer Verein
Oberammergau 1999 e. V.

Vorstand: Franz Kümmerle
Leupoldstr. 6
D-82487 Oberammergau
Tel.: 0 88 22 / 45 95
E-mail
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